Demokratie

Entweder es herrscht Demokratie, oder sie herrscht nicht. Ihre größten Feinde sind jedoch unsere Verantwortungslosigkeit, Gleichgültigkeit und Resignation als Bürger.

Vaclav Havel

Spiel der Populisten

Er schürt die Angst des Einzelnen und verspricht einfache Antworten, wo differenzierte Betrachtung gefragt wäre. Er signalisiert den Menschen: Was du erreicht hast, wird durch Fremde, durch Frauen und „Sozialschmarotzer“ gefährdet. Er fragt nicht danach, warum die Gesellschaft auseinanderdriftet, warum Arme ärmer und Reiche reicher werden und der Hass auf Minderheiten wächst. Er macht das Gegenteil: Er nährt den Angstreflex, anstatt ihn zu beseitigen. Deshalb hat der Populismus leichtes Spiel, wenn Sicherheiten schwinden und die Angst die Kontrolle übernimmt.

„The only thing we have to fear is fear itself.“ Franklin D. Roosevelt

Aus: Lisa Mayr – Was Abstiegsangst mit Menschen macht | derStandard

Nicht genug

Es spricht vieles dafür, dass die moralische Krise unserer Gesellschaft nicht eine Folge des wirtschaftlichen Crashs ist, sondern dass auch der Niedergang der Moral die Krise möglich machte.

Wenn wir diese Krise bewältigen wollen, bedarf es daher nicht nur einer Reform des Wirtschafts- und Finanzsystems, sondern eines tiefgreifenden Struktur- und Gesellschaftswandels. Der wiederum nur durch radikales Umdenken machbar ist, wenn wir nicht – nach nur oberflächlichen, kosmetischen Korrekturen – immer wieder in ähnliche Krisen schlittern wollen.

„Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“ (Epikur)

Aus: Matthias Weik und Marc Friedrich – Die Krise als Chance | Telepolis

Habe Mut

Immanuel Kant […]: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Doch zu diesem Mut gehören Haltung und Charakterfestigkeit – nicht Systemkonformität oder vorauseilender Gehorsam.

Aus: Paul Sailer-Wlasits – Belämmertes Schweigen | derStandard

Menschheit

„Mankind must put an end to war, or war will put an end to mankind.“ John F. Kennedy

„Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“

„Schweinehund“

“Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben?” Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Religion ist insofern der Weg, die Unreinheiten und moralischen Verschlechterungen des eigenen Wesens zu überwinden, zu läutern und wieder die helfende Nähe der göttlichen Welt zu erreichen. Das Entscheidende einer Religion ist daher nicht, was sie lehrt, sondern was sie durch die Übung dieser Religion im Menschen real an Wandlungen bewirkt. Die Lehre hat dazu eine hinführende und bewusstseinsbildende Aufgabe.

Das Wesen der Religion ist also der innere willentlich übende Weg der Läuterung und moralischen Vervollkommnung zu Gott. Dem stellen sich aber ständig innere Widerstände und Hindernisse entgegen. Sie zu überwinden, fordert einen immerwährenden Kampf gegen den „eigenen inneren Schweinehund“, das niedere, egoistische Selbst des bequemen Alltagsmenschen. Und das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Wird diesem inneren Kampf nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, wird ihm ausgewichen und gerät der „eigene innere Schweinehund“ aus dem Blick, so wendet sich der Blick nach außen und sieht den „Schweinehund“ in den Ungläubigen, die dem „falschen Glauben“ anhängen und den einzig wahren Glauben verschmähen, sieht ihn in anderen Völkern und Staaten, der „Achse des Bösen“, die die Menschheit bedrohe, oder in den nichtjüdischen Arabern, die nicht einsehen wollen, dass sie dem uralten biblischen Anspruch des Judentums auf das palästinensische Land zu weichen haben. Äußerer Kampf und Krieg ist das furchtbare Zeichen dafür, dass der notwendige Kampf im eigenen Inneren versäumt und auf ein falsches Schlachtfeld verlagert wird, wo sich die egoistischen Zerstörungskräfte, anstatt im eigenen Innern überwunden zu werden, ungehindert austoben können und sich wechselseitig verstärken.

Welche Illusion ist es zu glauben, dass man Angehörige anderer Religionen durch Gewalt und Unterwerfung von der Wahrheit seiner Religion überzeugen könnte. Man handelt der eigenen Religion als innerem Weg, das Böse in sich zu überwinden, vollkommen zuwider, indem man es nach außen gegen andere wendet. Man folgt in Wahrheit nicht dem Gott seiner Religion, den man sucht, sondern dem Bösen in sich, das man in anderen zu bekämpfen vorgibt.

Aus: Religion als Krieg oder Frieden stiftende Kraft | fassadenkratzer

Reines Gewissen

Jahrelang hat Europa dem Elend in Afrika hilflos zugesehen und hat sich zu Komplizen der Despoten, Kelptokraten und Menschenschlächter gemacht. Hauptsache die Geschäfte mit deren Blut-Geld sind gut gelaufen und die Diktatoren haben gut bei uns eingekauft.

Waffen von Heckler & Koch, Kanonen von Rheinmetall, Panzer von Krauss-Maffei und U-Boote von der Kieler Howaltswerft.

Um unser Gewissen zu beruhigen, verkaufen wir den armen Ländern Afrikas unsere hochsubventionierten Lebensmittel mit dem Erfolg, dass deren Bauern nicht mehr konkurrenzfähig sind. Ihre Länder veröden und die hungernden Familien vom Land ziehen in die Elendsviertel der Grossstädte. Die Bilder der hungernden und kranken Kinder Afrikas gingen um die Welt.

Wir fühlten uns gut, wenn wir einmal im Jahr eine Spendengala veranstalteten und immer zu Weihnachten Geld für die Kinder in Afrika spendeten. Unser Gewissen ist rein.

“Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen”. (Jean Ziegler)

Aus: Rainer Kahni – Der Agrar – Wahnsinn | der Freitag

dazu passend:

Christine Wicht – Buchbesprechung: Jean Ziegler „Das Imperium der Schande“ | NachDenkSeiten

Christlich-abendländische Kultur

Rolf Bergmeier: Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende, Alibri Verlag

Ein wertvoller Beitrag zur Kulturkampf-Debatte der letzten Jahre und ein wichtiges Argument gegen die dabei verbreitete Geschichtsklitterung.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Immanuel Kant

Vom Wert der Aufklärung

Rolf Bergmeier beschreibt in die „Christlich-abendländische Kultur“ genau diese als Legende. Sachliteratur, so spannend wie gute Belletristik.

Wahrheit

Wir können Euch nicht dazu zwingen, die Wahrheit zu sagen, aber wir können Euch dazu bringen, noch dreister zu lügen.

Petra Kelly