Ja wo hin

In NRW ist jetzt Schluss mit Umweltschutzgesetzen, die die Wirtschaft behindern. Dort soll bei Gesetzen zukünftig geprüft werden, ob sie die Wirtschaft beeinträchtigen könnten.

So müssten zum Beispiel Gesetze für neue Umweltstandards in NRW darauf überprüft werden, welche Kosten für die Industrie entstehen.

Ja wo kämen wir da auch hin, wenn der erhalt einer menschliches Leben ermöglichenden Umwelt Priorität vor den Interessen der Industriebosse hätte!1!!

Quelle: blog.fefe.de

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Machtverhältnisse

Es gibt viele Gründe dafür, dass Machtverhältnisse erhalten bleiben, auch wenn sie eigentlich einen eklatanten Mangel an Legitimität aufweisen. Weltweite Überwachung, Folter, Verschleppungen, Angriffskriege, militärische Aufrüstung, ökologische Entwicklungen, die einen unumkehrbar negativen Pfad einnehmen, 800 Millionen Hungernde, Verteilungsverhältnisse, bei denen die 85 reichsten Personen so viel besitzen, wie die “untere” Hälfte der Weltbevölkerung mit ihren mehr als 3500 Millionen Menschen zusammen. […]

Da nun allerdings der erweiterte Wissenszugang und die potenzierten Produktivkräfte als Gegenspieler auftreten, ist ein klassisches Mittel zum Machterhalt wichtiger denn je geworden: Propaganda.

[…] Diejenigen, die die Medien machen und diejenigen, die über die entsprechenden Ressourcen verfügen, um einem Ereignis Nachrichten- oder gar Kampagnenwert zukommen zu lassen, erhalten hierdurch umfassende Einflussmöglichkeiten darauf, welche Themen Millionen von Menschen überhaupt zum Bewusstseinsinhalt werden, unabhängig davon, wie diese Themen schlussendlich dargestellt werden. […]

Auch wenn der Spielraum der Massenmedien hier nicht beliebig groß ist, und gerade seit Verbreitung des Internets viele alternative Plattformen entstehen, die diverse Nachrichteninhalte transportieren können, so spielen TV und leitende Printmedien doch weiterhin die Hauptrolle in der Themensetzung für die Mehrheit der Bevölkerung. Die Eigentümer und Produzenten der Mainstreammedien sind dabei aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung freilich alles andere als das repräsentative Sprechorgan der Gesamtgesellschaft, ein Umstand, der auch in einem systematischen Zusammenhang damit steht, in welcher Weise die Themen dann inhaltlich ausgerichtet sind:

Die Sprache des Newspeak

Metaphern als falsche Vergleiche

Framing – Auf die Rahmenstory kommt es an

Falschgruppierungen als Legitimationshebel

Wiederholung – Die Warheits- und Mehrheitsstifterin

Dekontextualisierung und Auslassung – Der elegante Weg nach Absurdistan

… “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Doppelmoral” – Volker Pispers über Ukraine und USA (14.09.2014) – YouTube

Aus: Jascha Jaworski – Der Aufschwung der Meinungsfabrikation – Teil 1Teil 2 | Maskenfall

Was kommt nach dem Kapitalismus?

Die Thesen von Ulrike Herrmann:

1. Der Kapitalismus braucht hohe Löhne

«Löhne werden oft nur als lästiger Kostenfaktor betrachtet, die es möglichst zu drücken gilt», sagt Herrmann, «doch die Entwicklung des modernen Kapitalismus zeigt: Hohe Löhne sind der eigentliche Motor. Sie treiben den Produktivitätsfortschritt an, der Wachstum erzeugt. Zudem sind Löhne nicht nur Kosten für die Arbeitgeber. Indem die Beschäftigten ihr Einkommen ja wieder ausgeben, schaffen sie jene Nachfrage, die es überhaupt interessant macht, für einen Markt zu produzieren.»

2. Es gibt keine Marktwirtschaft

In der heutigen Zeit wird Kapitalismus gerne mit Marktwirtschaft verwechselt. […] Die Marktwirtschaft, so wie die meisten Leute sie sich vorstellen, existiere aber gar nicht, sagt Herrmann. Konzerne beherrschen die Wirtschaft, weil die Investitionen für technische Innovationen meist so hoch sind, dass sie nur getätigt werden, wenn ein Unternehmen den Markt kontrolliert und sich ausrechnen kann, dass sich die Investitionen lohnen.

3. Wir produzieren uns zu Tode

«Die Produkte sind nur Hilfsmittel für einen höheren Zweck. Das Endziel sind die Arbeitsplätze. Wir arbeiten, um zu arbeiten.» Nur wer Arbeit hat, hat Einkommen, Sicherheit und Anerkennung.

«Aber anders, als Karl Marx dachte, geht es nicht um Gebrauchs- oder Tauschwert. Es geht um Stabilität und Sicherheit. Wir produzieren immer mehr, weil der Kapitalismus Wachstum benötigt und ohne Wachstum kollabiert.»

Das Risiko ist gross, dass zu viele Arbeitslose den Rechten Auftrieb verschaffen.

4. Die grüne Wirtschaft hilft nicht

«Es ist ein Dilemma: Ohne Wachstum geht es nicht, komplett grünes Wachstum gibt es nicht, und normales Wachstum bedeutet eine Ökokatastrophe.»

5. Der Kapitalismus – Segen oder Fluch

Er hat den Reichtum und den technischen Fortschritt ermöglicht, der es eigentlich erlauben würde, mit wenig Arbeit auszukommen. Aber stattdessen muss weiterproduziert werden, selbst wenn dies in den Untergang führt.

Einfach aussteigen geht nicht: «Es würde eine unkontrollierbare Spirale nach unten einsetzen, die an die Weltwirtschaftskrise ab 1929 erinnert: Arbeitsplätze gehen verloren, die Nachfrage sinkt, die Produktion schrumpft, noch mehr Stellen verschwinden. Der Kapitalismus wäre zwar beendet, aber dieses Ende darf man sich nicht friedlich vorstellen.» Es könnte alles pulverisiert werden, was uns lieb ist – Bildung, Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Sozialstaat.

«Was tun, Frau Herrmann?»

Es gebe Vorschläge, wie eine Ökonomie aussehen könnte, die nicht mehr verbraucht, als die Welt hergibt. «Aber keiner sagt, wie wir dorthin kommen.» Man müsste dringend Transformationsforschung betreiben, so Herrmann. Alle, die Dinge produzieren, die niemand wirklich braucht, müssen eine Vorstellung bekommen, wovon sie leben sollen, wenn diese Dinge nicht mehr produziert werden. Und zwar am besten schon morgen.

Aus: Susan Boos – Wir produzieren uns zu Tode | woz

Das Wesen des Kapitalismus …

… ist es, die beiden einzigen Springquellen des Reichtums um den Preis ihrer Zerstörung maximal zu verwerten: die menschliche Arbeitskraft und die Natur.

Damit das […] nicht zu allzu großer sozialer Beunruhigung führt, werden die Verbrechen des […] Kapitals in alle Welt ausgelagert, seine Interesse mit ökonomischer – und wenn nötig auch mit militärischer Gewalt – durchgesetzt.

Die Verbrechen [der] Konzerne in aller Welt könnten alle Nachrichten füllen. Aber was sehen wir? Limousinen, rote Teppiche, händeschüttelnde Politiker, Sportmeldungen, Musikantenstadl. Das Massenelend so vieler Menschen auf der Erde wird so erfolgreich verdrängt wie die Schuld der Täter, eine alte […] Tradition.

Ob wir wollen oder nicht: Wir erfahren täglich die Börsenkurse. Die täglichen Bedingungen, unter denen die Profite weltweit eingefahren werden, erfahren wir selten: 7 Tage Arbeit die Woche, 16 Stunden am Tag in giftgeschwängerten Produktionshallen, erbarmungsloser Lärm, Krebsgifte auf ungeschützter Haut, Leben auf Giftmüllhalden.

Jutta Ditfurth

Bessere Zukunft

Das Versprechen, wonach es jeder Generation besser gehen würde als der vorhergehenden, ist ein Grundprinzip der modernen Gesellschaft.

[…]
Abgesehen von geopolitischen Brüchen gilt es, große Herausforderungen zu bewältigen, deren Ursachen primär in unzureichender Leistung und Fehlfunktion der Politik liegen. Prominentestes Beispiel: die Umweltzerstörung. Ich beneide künftige Generationen nicht darum, dass sie mit globaler Erwärmung und erschöpften Süßwasserreserven konfrontiert sein werden.

Ein zweiter Problemkreis betrifft die Sicherstellung, dass unser Wirtschaftssystem als grundsätzlich gerecht wahrgenommen wird. Das kann mittlerweile nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden, da das Zusammenspiel von Technologie und Globalisierung die Ungleichheit hinsichtlich Einkommen und Wohlstand verschärft hat.

Das dritte Problem: die alternden Bevölkerungen. Wie werden Ressourcen für die Altenpflege vor allem in langsam wachsenden Ökonomien zugeteilt, wo bestehende staatliche Renten- und Krankenversicherungsprogramme für alte Menschen offenkundig untragbar sind? Steigende Staatsschulden verschärfen das Problem, weil künftige Generationen Schulden und Renten zahlen müssen.

Die letzte Herausforderung betrifft eine breite Palette von Fragen, im Rahmen derer es der Regulierung sich rasch entwickelnder Technologien durch Regierungen bedarf, die allerdings nicht unbedingt über Kompetenzen oder Ressourcen verfügen, um dies auch effizient durchzuführen. Wohin schlechte Regulierung führen kann, haben die Finanzmärkte gezeigt. Auf anderen Märkten bestehen ähnliche Mängel. Etwa in der Lebensmittelversorgung mit immer stärker verarbeiteten und gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln, deren wissenschaftliche Beurteilung erst am Anfang steht. Fettleibigkeit im Kindesalter hat sich zu einer Epidemie ausgewachsen, Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten steigen.

[…]
Aber es gibt kurz- und mittelfristige Lösungen. Eine weltweite CO2-Steuer würde Klimarisiken verringern und die Schuldenlast der Staaten lindern. Die Ungleichheit erfordert eine stärkere Umverteilung durch nationale Steuersysteme in Kombination mit Bildung. Gegen rückläufiges Bevölkerungswachstum könnte Migration helfen. Doch wie lange die Regierungen brauchen, um aktiv zu werden, ist eine offene Frage.

(Kenneth Rogoff, Übersetzung: Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate, DER STANDARD, 22.3.2014)