Kein Idiot

Zu den großartigen Freiheiten, die wir in unserer Gesellschaft haben, gehört auch die Freiheit, kompletten Mist zu glauben. Das meine ich nicht ironisch, wir sind keine rein rationalen Wesen, aus zahlreichen Gründen wollen wir absolut schwachsinniges Zeug glauben – und das wir das dürfen, ist enorm wertvoll. Und fast jeder von uns macht ausgiebig von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Und, ganz wichtig bevor wieder jemand unnötig beleidigt ist: Nur weil jemand an eine dumme Sache glaubt, ist er noch lange kein Idiot. Beispiel Religion: Die drei großen Weltreligionen sind ohne den geringsten Zweifel ein GAU – größter anzunehmender Unfug. Trotzdem ist nicht jeder Gläubige dumm. Die Gründe zu glauben sind nur stärker als die rationalen Argumente dagegen. So irrational und widersprüchlich Religionen auch sein mögen, es existieren gute Gründe ihnen anzuhängen – ihre Irrationalität kann sogar einer der guten Gründe sein […] Aber auch die Angst vor dem Tod, die alltägliche Einbettung in eine Gemeinschaft und die frühkindliche Indoktrinierung können Ursachen für das Festhalten am Glauben sein. Auch ein paar Automatismen unseres Gehirns verlangen nach einem Gott – beispielsweise das Verursacherprinzip: Was auch immer passiert, das Hirn nimmt automatisch an, dass jemand die Ursache für dieses Geschehen ist. Und wie in diesem Video dargelegt, haben wir auch einfach gerne einen unsichtbaren Freund.

Aus: Wie dumm darf`s sein? | diewahrheit

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Religiöse Erziehung

Religiöser Erziehung wohnt ein Schadenspotential inne, das direkt aus der Wurzel wächst. Es hat nämlich weniger mit ihren Inhalten zu tun […] sondern vielmehr mit der Art und Weise des Denkens, die durch sie befördert wird. Der Inbegriff des aufgeklärten Denkens ist es, sich dem eigenen Verstand zu bedienen, jede Behauptung zu hinterfragen und ihre Rechtfertigung auf Vernünftigkeit zu prüfen. Der Inbegriff des religiösen Denkens ist die Orientierung an Autoritäten und an den Dogmas der Religion.

[…] Ansichten, die mit dem Verweis auf Autoritäten und Dogmas begründet werden, stehen auf losem Fundament. Jeder Mensch, der sich in seinen moralischen Auffassungen vornehmlich nach solchen Kriterien richtet, ist stark beeinflussbar, erliegt rascher seinen Affekten, ist auch neuen Autoritäten und entsprechend auch anderen Auslegungen leichter zugänglich, ist radikalisierbar.

Ein erster Schritt, um diesem Umstand zu begegnen, muss die Schaffung eines verpflichtenden Ethikunterrichtes sein, der allen Schülern ungeachtet ihrer Weltanschauung eine aufgeklärte Denkweise im Umgang mit moralischen Fragen beibringt. Ethik muss in unserem Bildungssystem endlich den Status einer philosophischen Disziplin erhalten, die im Angesicht der sozialen und ökologischen Tragweite unseres Handelns als Konsumenten und als politische Bürger enorme gesellschaftliche Relevanz hat. Die Religion kann dies nicht leisten. So wichtig sie offenkundig für die Gestaltung des persönlichen und privaten Lebens gläubiger Menschen ist, so ungeeignet ist sie für die moralische Erziehung unserer Kinder in dieser komplizierten Welt. Wer dies nicht zugesteht, fügt unserer Gesellschaft nachhaltigen Schaden zu, dessen Ausmaß noch gar nicht einzuschätzen ist.

Aus: Mahiat – Zum Schaden durch religiöse Erziehung | Nachtliteratur

Um Gottes Willen!

Selbst wenn man weder kirchen- noch religionsaffin ist, müssen einem die Worte des Papstes bei seiner Weihnachtsansprache in Mark und Bein gefahren sein. Das muss man sich nur einmal vorstellen: Die Römische Kurie, also oberste Leitung und Verwaltung der römisch-katholischen Kirche befallen von „spirituellen Krankheiten“, von „geistlichem Alzheimer“ und „existenzieller Schizophrenie“, machtgierig, heuchlerisch, eitel, geschwätzig, intrigant, kaltblütig, größenwahnsinnig auch. […]

Auch ohne Nähe zur Katholischen Kirche kann man nach dieser Rede am Montag im Vatikan nur hoffen, dass Papst Franziskus ein wirklich langes Leben geschenkt wird – nicht nur für eine „Genesung“ der Römischen Kurie von den „15 Krankheiten“, die er diagnostiziert hat.

Aus: Anneliese Rohrer – Um Gottes Willen! | Fisch+Fleisch

„Schweinehund“

“Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben?” Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Religion ist insofern der Weg, die Unreinheiten und moralischen Verschlechterungen des eigenen Wesens zu überwinden, zu läutern und wieder die helfende Nähe der göttlichen Welt zu erreichen. Das Entscheidende einer Religion ist daher nicht, was sie lehrt, sondern was sie durch die Übung dieser Religion im Menschen real an Wandlungen bewirkt. Die Lehre hat dazu eine hinführende und bewusstseinsbildende Aufgabe.

Das Wesen der Religion ist also der innere willentlich übende Weg der Läuterung und moralischen Vervollkommnung zu Gott. Dem stellen sich aber ständig innere Widerstände und Hindernisse entgegen. Sie zu überwinden, fordert einen immerwährenden Kampf gegen den „eigenen inneren Schweinehund“, das niedere, egoistische Selbst des bequemen Alltagsmenschen. Und das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Wird diesem inneren Kampf nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, wird ihm ausgewichen und gerät der „eigene innere Schweinehund“ aus dem Blick, so wendet sich der Blick nach außen und sieht den „Schweinehund“ in den Ungläubigen, die dem „falschen Glauben“ anhängen und den einzig wahren Glauben verschmähen, sieht ihn in anderen Völkern und Staaten, der „Achse des Bösen“, die die Menschheit bedrohe, oder in den nichtjüdischen Arabern, die nicht einsehen wollen, dass sie dem uralten biblischen Anspruch des Judentums auf das palästinensische Land zu weichen haben. Äußerer Kampf und Krieg ist das furchtbare Zeichen dafür, dass der notwendige Kampf im eigenen Inneren versäumt und auf ein falsches Schlachtfeld verlagert wird, wo sich die egoistischen Zerstörungskräfte, anstatt im eigenen Innern überwunden zu werden, ungehindert austoben können und sich wechselseitig verstärken.

Welche Illusion ist es zu glauben, dass man Angehörige anderer Religionen durch Gewalt und Unterwerfung von der Wahrheit seiner Religion überzeugen könnte. Man handelt der eigenen Religion als innerem Weg, das Böse in sich zu überwinden, vollkommen zuwider, indem man es nach außen gegen andere wendet. Man folgt in Wahrheit nicht dem Gott seiner Religion, den man sucht, sondern dem Bösen in sich, das man in anderen zu bekämpfen vorgibt.

Aus: Religion als Krieg oder Frieden stiftende Kraft | fassadenkratzer

Polemik

Ohne den Islam würdet ihr noch in Höhlen leben und euch in Felle kleiden

[…]

Ansonsten hilft es immer, sich zuerst mal an die eigene Nase zu fassen. Durchgeknallte Mittelalter-Freaks, die meinen, sie könnten den Leuten im Namen Gottes in ihre Intimsphäre hineinregieren oder Familien ihre Kinderplanung vorschreiben, die findet ihr auch unter euren christlich-abendländischen Demonstranten.

Aus: Malte Daniljuk – Hallo, Islamhasser! | Telepolis

Kommentar von luky:

Von mir herzlichen Dank für diese Polemik. Man könnte sicher in zahlreichen Bereichen deutlich differenzierter argumentieren, aber das passt irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit.

Ganz besonders erheiternd finde ich allerdings die vielen empörten Kommentare. Irgendwie lässt mich die Idee nicht los, dass das genau jene sind, die zu vergleichbaren Polemiken eines Sarrazins, Broders oder Pirinccis immer sagten:

Sowas wird man ja wohl noch sagen dürfen…

Christlich-abendländische Kultur

Rolf Bergmeier: Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende, Alibri Verlag

Ein wertvoller Beitrag zur Kulturkampf-Debatte der letzten Jahre und ein wichtiges Argument gegen die dabei verbreitete Geschichtsklitterung.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Immanuel Kant

Vom Wert der Aufklärung

Rolf Bergmeier beschreibt in die „Christlich-abendländische Kultur“ genau diese als Legende. Sachliteratur, so spannend wie gute Belletristik.

Für Gott und Vaterland

Die Rüstungsarbeiter bezahlen Kirchensteuern, und als Gegenleistung bieten wir Seelsorge und erbauliche Unterhaltung in der Kirche – und schweigen über die Waffenproduktion.

[…]

Der Militärseelsorge in ihrer jetzigen Form fehlt einfach die kritische Distanz zum Militär. Das sieht man auch daran, dass es in über 50 Jahren Bundeswehr kaum je einen Militärpfarrer gab, der die Soldaten an der Front zur Kriegsdienstverweigerung aufgefordert hat. Vielmehr trösten und bespaßen Militärpfarrer die Soldaten an der Front, kümmern sich um die Angehörigen zu Hause und sprechen, im schlimmsten Fall, am Grab schließlich salbungsvolle Worte. Auf diese Weise unterstützt die Militärseelsorge – wissentlich oder unwissentlich – Militär und Krieg.

Aus: Jens Wernicke, Interview mit Volker Marquart – Für Gott und Vaterland | NachDenkSeiten

Moderne Gesellschaften

Solange die modernen Gesellschaften weiter auf Wachstum, Gewinne und Globalisierung setzen, solange wird es bergab gehen. Die Eitelkeiten und Uneinsichtigkeit der gewinnorientierten Systeme, die zudem mit Gewalt aufrecht erhalten oder sogar installiert werden, die soziale Missverhältnisse erzeugen und auf Ausbeutung statt auf Erhaltung basieren, diese sind die Sargnägel unserer Welt. Satt auf Eigenversorgung zu setzen, Effizienz statt Konsum zu fördern, solange soziale Ungleichheit und Gewinnmaximierung bestimmend sind, solange werden wir aus diesem Teufelskreis nicht ausbrechen können. Und die menschliche Schwäche, sich als erhaben oder besser als andere zu sehen (siehe Religionen), trägt dazu kräftig bei.

Kommentar von René Herndl zu Notruf vom Raumschiff Erde

Zitat zum Sonntag

“Es kommt fast für jeden Menschen der Augenblick, wo die überkommene und angelernte Religion von ihm abfällt wie der Mörtel von der Wand. Erziehung, Haus und Familie, religiöses Milieu, alles kann nichts helfen, denn es muss so kommen, damit der Mensch er selbst wird”.

Albert Schweitzer

Quelle: unmoralische.de