Neue Rekorde

Die Zinsen liegen bei null, das Geld ist billig, die Immobilienpreise steigen, und der deutsche Aktienindex DAX schießt auf neue Rekorde. […]

Es ist viel zu viel Geld vorhanden. Die Reichen sitzen auf enormen Finanzvermögen – das sie nirgends investieren können. Denn die Wirtschaft stagniert, sodass es sinnlos wäre, die Produktionskapazitäten auszuweiten. […]

Es ist eine seltsame Welt: Geld ist genug da, doch an der falschen Stelle. Da hilft nur, das Vermögen der Vermögenden zu besteuern. Denn auf den Staat ist Verlass: Er gibt sein Geld aus und kurbelt damit die Wirtschaft an – statt panisch die Aktienkurse in die Höhe zu treiben.

Aus: Ulrike Herrmann – Blase ist nicht gleich Blase | taz

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2264 $/sec.

Apple machte im 4. Quartal 2014 einen Nettogewinn 18 Milliarden Dollar:

… in jeder Sekunde mehr […], als viele deutsche Arbeitnehmer netto in einem ganzen Monat verdienen. 2264 Dollar sind es, um genau zu sein. […]

Apples hohe unternehmerische Qualität hat an dem Rekordgewinn einen großen Anteil. Aber sie ist nicht der einzige Grund für den Erfolg. Dass der Konzern so viel verdient, liegt auch an einer Reihe zweifelhafter Geschäftspraktiken.

1. Ausbeuterische Produktion

2. Dreiste Steuertricks

3. Fragwürdiger Datenschutz

4. Kurskosmetik

Aus: Rekordgewinn mit fragwürdigen Methoden – Apples schmutzige Milliarden | t-online

dazu passend:

Apple fährt Riesengewinne ein – und bezahlt Minilöhne

Schuldenschnitt

Das Problem ist, dass die vergiftete Debatte um den Schuldenschnitt, – den die Deutschen ungefähr genauso fürchten, wie die angeblich ständig drohende Inflation -, von vier Mythen getragen wird.

(1) Der erste Mythos ist die Behauptung, den Griechen würde mit deutschen Steuergeldern geholfen. In Wahrheit ist das an Heuchelei kaum zu überbieten. […] Tatsächlich aber sind in der sogenannten Staatsschuldenkrise Banken gerettet worden und nicht Menschen. […]

(2) Der zweite Mythos ist der einer Alternative zu den Verlusten eines Schuldenschnittes. […]
So oder so aber müssen uneinbringliche Forderungen abgeschrieben werden. […] Skandalös an dem Vorgang ist ohnehin mitnichten der Schuldenschnitt selbst, sondern alleine die vorherige Umschuldung zu Lasten der Steuerzahler (“Bankenrettung”), womit übrigens auch die deutschen Banken gerettet wurden […]

(3) Der dritte Mythos ist zugleich ein Gründungsmythos der Bundesrepublik: Der des ehrlich sparenden und schwäbisch wirtschaftenden Deutschen, der mit Blut, Schweiß und Tränen das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hat. […] Dabei währe auch das deutsche Wirtschaftswunder ohne Marshallplan und einen Schuldenschnitt, der den Deutschen 1953 auf der Londoner Schuldenkonferenz – übrigens auch von Griechenland – gewährt wurde, nicht denkbar gewesen. […]

(4) Schließlich ist der vierte Mythos der Glaube, der einfache Bürger würde im Falle eines Schuldenschnittes und dem Ende des Spardiktates von den Griechen über den Tisch gezogen werden – ganz so wie es die Bildzeitung suggeriert. Mittel- bis langfristig ist aber das Gegenteil der Fall. Es will den Deutschen einfach nicht in den Kopf, das Griechenland ein Versuchslabor des Neoliberalismus ist. Hier wird oder wurde geprobt, wie weit den Europäern eine Politik der sozialen Kälte zuzumuten ist. Der Kahlschlag in Griechenland und überall in Südeuropa ist ein Bumerang des Sozialdumpings, der unter dem Narrativ der Wettbewerbsfähigkeit auch wieder auf Deutschland zurückschlagen wird. Eigentlich müssten sich die deutschen Arbeitnehmer dringend solidarisch mit Syriza erklären.

[…] Es braucht einen Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland, einen Lastenausgleich, der das Vermögen der Reichen und Reichsten heranzieht und ein groß angelegtes Konjunkturprogramm – also genau das Gegenteil von der gegenwärtigen Politik. […]

Das will Syrzia, das will auch Podemos, die derzeit als einzige Kräfte in Europa in der Lage sind, eine alternative Politik zu skizzieren. Entscheidend wird sein, ob die Alternative eine europäische Mehrheit gegen die von Merkel gepredigte Alternativlosigkeit schaffen kann. Geschieht das nicht, wird der europäische Weg wieder zurück ins Dunkel führen.

Das Zünglein an der Waage aber sind die deutschen Wähler. Ihnen obliegt es letztendlich, die Krisenpolitik a la Merkel zu beenden. Doch das ist nicht absehbar. Parteipolitisch und in den Köpfen der Wähler herrscht der Geist der Restauration. Oder anders gesagt: Das politische Biedermeiertum hat hierzulande Tradition – zum Leidwesen ganz Europas.

Aus: Sebastian Müller – Die Mythen des deutschen Michels | le Bohémien

Westliche Werte

Gebe es sie nicht, müsste man sie eigentlich unbedingt erfinden, all diese IS, Pegidas, Boko Harams, ukrainische Patrioten, russische Nationalisten und anderen Gruppen, die den Menschen auf vielfältige Art und Weise nahelegen, sich wegen Religion, Hautfarbe oder auch nur Aussprache gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Andernfalls würden sich diese womöglich fragen, was denn eigentlich hinter dem ganzen Gerede von den westlichen Werten steckt, oder konkreter: Wieso ihr Anteil am Kuchen nicht nur mickrig ist, sondern sogar noch weiter schrumpft.

Aus: Wolfgang Pomrehn – Umverteilung von unten nach oben | Telepolis

Notwehr

Es ist kaum zu erwarten, dass die Denkfabrik des Geldes, das World Economic Forum, kurz WEF, irgendwann zu dem Entschluss kommt, sich selbst abzuschaffen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Mitglieder des WEF in Zukunft die Einsicht gewinnen, ihren Reichtum für eine gerechtere Welt nicht weiter vermehren zu wollen. Selbst die Einsicht, nicht zur Beglückung der Menschheit beizutragen, dürfte in den Kreisen des WEF als finanztheologische Blasphemie gesehen werden.

Notwendig aber ist es, diesen Wahn von der Allmacht des Reichtums zu beenden. Nicht Neid ist das zwingende Argument dafür, es ist Notwehr. Wenn das nicht gelingt, wird der fatale Verteilungsschlüssel bestehen bleiben und 1 Prozent auch weiterhin an Armut und Verteilungskämpfen verdienen.

Aus: Heinz Sauren – Davos und die Trutzburg des Kapitals | le Bohémien

Ein Prozent

Ein Prozent der Weltbevölkerung wird 2016 mehr Vermögen angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent zusammen. “Die soziale Ungleichheit wächst schockierend schnell”, heißt es in einem Bericht der britischen Aktivistengruppe Oxfam zur Vermögensverteilung auf der Welt.
Demnach gehörten 2009 noch 44 Prozent des Wohlstands einem Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bereits bei 48 Prozent. 2016 wird dieses eine Prozent reicher Menschen wohl 50 Prozent des weltweiten Vermögens besitzen – die andere Hälfte verteilt sich widerum sehr ungleich auf die restlichen 99 Prozent.

Anmerkung JK: Das ist eigentlich das Thema, das intensiv diskutiert werden müsste. Es mag wieder einmal zynisch klingen, aber die aktuelle Fokussierung der Öffentlichkeit auf den islamistischen Terror dürfte bestimmten Kreisen ganz recht sein.

Quelle: nachdenkseiten.de

Im Kessel

Abgehängt sein vom wirtschaftlichen Fortschritt (man könnte es auch als Perspektivlosigkeit bezeichnen) – das ist in meinen Augen ein wesentlicher Grund für den Zulauf, den extreme und fremdenfeindliche Gruppierungen haben. […] Die Betroffenen suchen nach Schuldigen für ihre Lage und werden bei den „Fremden“ scheinbar fündig. Die komplexen gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge, die ihre individuelle Misere großenteils bedingen, durchschauen sie nicht. Wie sollten sie auch, sorgen doch viele unserer Politiker und der überwiegende Teil unserer Massenmedien für keinerlei gesamtwirtschaftliche Aufklärung, sondern für die Zementierung einzelwirtschaftlicher Sichtweisen und dadurch für eine Blockade der Lösungsansätze, die allen und gerade auch diesen sich benachteiligt Fühlenden zu Gute kämen. […]

Das Hauptanliegen dieser Meinungsmache scheint mir zu sein, dass diejenigen, die sich abgehängt fühlen, nicht auf die Idee kommen, ihre eigene Situation mit der der deutschen Oberschicht zu vergleichen oder gar den Grund für ihre persönliche Misere in der Handhabung unseres ökonomischen Systems zu suchen. Wenn die Masse der Menschen erst einmal versteht, dass die Ausbeutung der Arbeitskraft des kleinen Mannes hierzulande die Hauptursache für den Reichtum unserer Oberschicht und das Elend in den EWU-Partnerländern ist, könnte sich ihre Wut nämlich eine andere Zielscheibe als Flüchtlinge, Asylbewerber, EU-Migranten und andere Minderheiten suchen. […]

Der Druck im Kessel der Abgehängten wird steigen und das Ventil der Fremdenfeindlichkeit bekommt immer mehr zu tun, weil die für die wirtschaftlichen Geschicke und die Rahmenbedingungen unseres Wirtschaftssystems Verantwortlichen nicht bereit sind, das Feuer unter dem Kessel zu löschen, an dem sie sich selbst – außerhalb des Kessels – so angenehm wärmen.

Aus: Friederike Spiecker – Woher kommt PEGIDA? Aufgelesen bei … Stephan Mayer | flassbeck-economics