So einfach

Gerade die Öko– und Bio-Fraktion geht dem Neoliberalismus komplett auf den Leim, wenn sie ernsthaft glaubt, die Menschheit würde Haben-Denken, Konsum und Egoismus überwinden, wenn wir alle nur Vegetarier oder Veganer werden, ausschließlich Bio-Produkte kaufen, mehr Fahrrad fahren und nur noch Ökostrom beziehen würden. Ganz im Sinne der neoliberalen Eigenverantwortung, könne doch jeder etwas zu einer besseren Welt beitragen, so das Credo. Einfach ein bisschen mehr zahlen und dann ist auch kein politisches Engagement mehr nötig. Grundsatzfragen sowie Konzepte oder Ideen für eine gerechte Welt braucht man dann auch nicht mehr. Es wird sich gemütlich im bestehenden kapitalistischen Unrechtssystem eingerichtet und eine elitäre Konsumhaltung eingenommen. So einfach ist der Widerstand.

Aus: Schöne Grüne Welt | ZG Blog

Von Privat zu Staat

  • Warum kommen Grossbanken und Hedgefonds für ihre grobfahrlässigen Geldanlagen in Griechenland nicht zur Kasse?
  • Wie konnten sie ihre Risiken vor allem in Deutschland und Frankreich an die Steuerzahlenden überwälzen?
  • Warum wollen die EU-Institutionen Griechenland (und Portugal, Irland, Spanien oder Italien) keinen Schuldenerlass gewähren, während sie gleichzeitig die europäischen Grossbanken mit jährlich über 300 Milliarden Dollar subventionieren?
  • Wer trägt dafür die Verantwortung?

Antworten: Tabuthema Großbanken – Urs P. Gasche

Extremistische Mitte

… auf welch erbärmliches und jämmerliches Niveau wir als Kritische Beobachter des Zeitgeschehens uns im Kampf um eine »bessere Welt« schon zurückgezogen haben. Auf der einen Seite wird mit Milliardenaufwand systematische Gehirnwäsche, Menschendressur und Korruption im großen Stil betrieben — und wir reden über Gemüseanbau, Schuhsohlen-Kleben und »Konsumverzicht«. … im Kern ist alles nicht falsch. Rückzugsgefechte und symbolisches Symtpomgeplänkel, um sich in einer immer beschisseneren Welt wenigstens noch halbwegs behaglich einzurichten — bzw. es einfach nur besser ertragen zu können…

So lange man die große Masse aus der extremistischen Mitte an Mitläufern (die überwiegend dieses System will und am Laufen hält) nicht umstimmt, wird gar nichts relevantes besser… Und genau dafür sehe ich absolut keinerlei nennenswerte Ansätze, dieses Problem zu lösen. Selbst die kritischen Teile der Gesellschaft weigern sich, dieses Problem zu sehen. Nicht umsonst wird gerne »die Regierung« für alles verantwortlich gemacht — aber nicht jene große Masse an Idioten aus Lohnarbeits– und Konsumzombies, die diese neoliberal-marktfaschistische Regierung (in versch. Farbtönungen) regelm. wählt — oder auch durch bequeme Nichtwahl zumindest nicht verhindert…

Kommentar von Dennis82 zu „Und es gibt Alternativen!

Ausnahmezustand

Griechenland – Im Ausnahmezustand

Anmerkung JK: Der Analyse ist voll zuzustimmen, Griechenland ist das Freiluftlabor des Neoliberalismus in Europa. Was wir in Griechenland erleben ist Merkels Ideal der marktkonformen Demokratie in ihrer expliziten Ausprägung, in der die Interessen der Finanzelite und der transnationalen Konzerne zum kategorischen Imperativ geworden sind. Und Tsipras ist angetreten, auch hier hat der Artikel recht, diesen Ausnahmezustand zu beenden. Deshalb trifft ihn die Wut der neoliberalen Elite und ihrer Hofschreiber mit voller Wucht.

Unterwerfung als Freiheit

Leben im Neoliberalismus

Der Neoliberalismus hat die Welt in den letzten Jahrzehnten in hohem Maße geprägt und verändert – wohl stärker als jede andere ideologische Neuerung seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist ihm gelungen, Einfluss zu nehmen auf die Programmatik so ziemlich aller gesellschaftlichen Akteure, Verbände und Parteien in quasi allen Ländern.

Längst hat neoliberales Denken auch Einzug gehalten in den Alltag der Menschen. So ist manches, was zunächst unpolitisch erscheint, bei genauerer Betrachtung deutlich von neoliberalen Vorstellungen bestimmt: Sie sind zu finden, wenn sich Menschen Gedanken über ihren persönlichen Bildungsweg machen. Sie sind in Lebenshilfe-Ratgebern ebenso zugegen wie in der Esoterik. Sie prägen die Art und Weise, wie heute Sport betrieben und über Körper gedacht wird. Sie machen Stars zu dem, was Stars heute sind. Sie sind da, wenn Menschen ihr Fernsehgerät einschalten oder wenn sie Kontakte über Soziale Netzwerke wie »Facebook« pflegen. Und nicht zuletzt wirken sie sich auf die Art und Weise aus, in der Menschen Waren und Dienstleistungen konsumieren. Der Neoliberalismus prägt das Fühlen, das Denken und das Handeln der Menschen, ihr Selbstbild und ihre Identität. […]

Patrick Schreiner: Unterwerfung als Freiheit. Leben im Neoliberalismus. PapyRossa-Verlag, 127 Seiten, ISBN 978-3-89438-573-6, EUR 11,90 [D].

Dieses Buch ist geschrieben in der Überzeugung, dass eine fundierte Kritik des Neoliberalismus weit mehr erfordert als nur den Nachweis, dass er wirtschaftspolitisch nicht funktioniert, dass er sozialpolitisch verheerende Konsequenzen hat oder dass er zu einer unerträglichen Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen führt. Der Neoliberalismus ist längst zur Grundlage von Lebensstilen geworden, anerkannt und angesagt. Als solche ist er sehr viel hartnäckiger denn als einfache gesellschafts- oder wirtschaftspolitische Ideologie.

Quelle: annotazioni.de

Schuldenschnitt

Das Problem ist, dass die vergiftete Debatte um den Schuldenschnitt, – den die Deutschen ungefähr genauso fürchten, wie die angeblich ständig drohende Inflation -, von vier Mythen getragen wird.

(1) Der erste Mythos ist die Behauptung, den Griechen würde mit deutschen Steuergeldern geholfen. In Wahrheit ist das an Heuchelei kaum zu überbieten. […] Tatsächlich aber sind in der sogenannten Staatsschuldenkrise Banken gerettet worden und nicht Menschen. […]

(2) Der zweite Mythos ist der einer Alternative zu den Verlusten eines Schuldenschnittes. […]
So oder so aber müssen uneinbringliche Forderungen abgeschrieben werden. […] Skandalös an dem Vorgang ist ohnehin mitnichten der Schuldenschnitt selbst, sondern alleine die vorherige Umschuldung zu Lasten der Steuerzahler (“Bankenrettung”), womit übrigens auch die deutschen Banken gerettet wurden […]

(3) Der dritte Mythos ist zugleich ein Gründungsmythos der Bundesrepublik: Der des ehrlich sparenden und schwäbisch wirtschaftenden Deutschen, der mit Blut, Schweiß und Tränen das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hat. […] Dabei währe auch das deutsche Wirtschaftswunder ohne Marshallplan und einen Schuldenschnitt, der den Deutschen 1953 auf der Londoner Schuldenkonferenz – übrigens auch von Griechenland – gewährt wurde, nicht denkbar gewesen. […]

(4) Schließlich ist der vierte Mythos der Glaube, der einfache Bürger würde im Falle eines Schuldenschnittes und dem Ende des Spardiktates von den Griechen über den Tisch gezogen werden – ganz so wie es die Bildzeitung suggeriert. Mittel- bis langfristig ist aber das Gegenteil der Fall. Es will den Deutschen einfach nicht in den Kopf, das Griechenland ein Versuchslabor des Neoliberalismus ist. Hier wird oder wurde geprobt, wie weit den Europäern eine Politik der sozialen Kälte zuzumuten ist. Der Kahlschlag in Griechenland und überall in Südeuropa ist ein Bumerang des Sozialdumpings, der unter dem Narrativ der Wettbewerbsfähigkeit auch wieder auf Deutschland zurückschlagen wird. Eigentlich müssten sich die deutschen Arbeitnehmer dringend solidarisch mit Syriza erklären.

[…] Es braucht einen Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland, einen Lastenausgleich, der das Vermögen der Reichen und Reichsten heranzieht und ein groß angelegtes Konjunkturprogramm – also genau das Gegenteil von der gegenwärtigen Politik. […]

Das will Syrzia, das will auch Podemos, die derzeit als einzige Kräfte in Europa in der Lage sind, eine alternative Politik zu skizzieren. Entscheidend wird sein, ob die Alternative eine europäische Mehrheit gegen die von Merkel gepredigte Alternativlosigkeit schaffen kann. Geschieht das nicht, wird der europäische Weg wieder zurück ins Dunkel führen.

Das Zünglein an der Waage aber sind die deutschen Wähler. Ihnen obliegt es letztendlich, die Krisenpolitik a la Merkel zu beenden. Doch das ist nicht absehbar. Parteipolitisch und in den Köpfen der Wähler herrscht der Geist der Restauration. Oder anders gesagt: Das politische Biedermeiertum hat hierzulande Tradition – zum Leidwesen ganz Europas.

Aus: Sebastian Müller – Die Mythen des deutschen Michels | le Bohémien

Regulatorische Kooperation

Die im TTIP-Abkommen geplante “regulatorische Kooperation” ist eine Gefahr für die Demokratie und stellt die Interessen der Unternehmenslobby vor die Interessen von Bürgerinnen und Bürgern.

Die wichtigsten Punkte dazu in 2 Minuten:

Notwehr

Es ist kaum zu erwarten, dass die Denkfabrik des Geldes, das World Economic Forum, kurz WEF, irgendwann zu dem Entschluss kommt, sich selbst abzuschaffen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Mitglieder des WEF in Zukunft die Einsicht gewinnen, ihren Reichtum für eine gerechtere Welt nicht weiter vermehren zu wollen. Selbst die Einsicht, nicht zur Beglückung der Menschheit beizutragen, dürfte in den Kreisen des WEF als finanztheologische Blasphemie gesehen werden.

Notwendig aber ist es, diesen Wahn von der Allmacht des Reichtums zu beenden. Nicht Neid ist das zwingende Argument dafür, es ist Notwehr. Wenn das nicht gelingt, wird der fatale Verteilungsschlüssel bestehen bleiben und 1 Prozent auch weiterhin an Armut und Verteilungskämpfen verdienen.

Aus: Heinz Sauren – Davos und die Trutzburg des Kapitals | le Bohémien

Wohlstand für alle

Warum die Ära der „Sozialen Marktwirtschaft“ unwiderruflich vorbei ist und wie sich der Neoliberalismus entwickeln und uns in die nächste Krise stürzen konnte, beschreibt Patrick Spät in Die Lüge vom „Wohlstand für alle“

[…] Spätestens dann, wenn man über den Tellerrand der Industriestaaten schaut, entpuppt sich der „Wohlstand für alle“ als bitterböse Realsatire: Schon jetzt sind über eine Milliarde Menschen weltweit unterbeschäftigt oder ganz erwerbslos, Tendenz steigend. Über 40 Prozent der Menschheit schuftet für weniger als 1 US-Dollar Lohn am Tag. Und täglich sterben über 57.000 Menschen an Hunger, Tendenz ebenfalls steigend.

[…] Der Kapitalismus hat die Sklaverei nicht abgeschafft, sondern lediglich outgesourct. Wachstum? Es wächst nur das Elend.

[…] Profit ist das einzige Ziel des Kapitalismus. Es handelt sich um ein abstruses, von Menschen erfundenes Wirtschaftssystem, das allein dem Zweck dient, Geld und noch mehr Geld anzuhäufen.

[…] Die Frage ist also, ob und wann sich der Kapitalismus endgültig den Ast absägen wird, auf dem er sitzt. Noch ist er nicht in den Abgrund gestürzt. Aber der Riss ist für jeden sichtbar und es knarzt gewaltig.