So einfach

Gerade die Öko– und Bio-Fraktion geht dem Neoliberalismus komplett auf den Leim, wenn sie ernsthaft glaubt, die Menschheit würde Haben-Denken, Konsum und Egoismus überwinden, wenn wir alle nur Vegetarier oder Veganer werden, ausschließlich Bio-Produkte kaufen, mehr Fahrrad fahren und nur noch Ökostrom beziehen würden. Ganz im Sinne der neoliberalen Eigenverantwortung, könne doch jeder etwas zu einer besseren Welt beitragen, so das Credo. Einfach ein bisschen mehr zahlen und dann ist auch kein politisches Engagement mehr nötig. Grundsatzfragen sowie Konzepte oder Ideen für eine gerechte Welt braucht man dann auch nicht mehr. Es wird sich gemütlich im bestehenden kapitalistischen Unrechtssystem eingerichtet und eine elitäre Konsumhaltung eingenommen. So einfach ist der Widerstand.

Aus: Schöne Grüne Welt | ZG Blog

Extremistische Mitte

… auf welch erbärmliches und jämmerliches Niveau wir als Kritische Beobachter des Zeitgeschehens uns im Kampf um eine »bessere Welt« schon zurückgezogen haben. Auf der einen Seite wird mit Milliardenaufwand systematische Gehirnwäsche, Menschendressur und Korruption im großen Stil betrieben — und wir reden über Gemüseanbau, Schuhsohlen-Kleben und »Konsumverzicht«. … im Kern ist alles nicht falsch. Rückzugsgefechte und symbolisches Symtpomgeplänkel, um sich in einer immer beschisseneren Welt wenigstens noch halbwegs behaglich einzurichten — bzw. es einfach nur besser ertragen zu können…

So lange man die große Masse aus der extremistischen Mitte an Mitläufern (die überwiegend dieses System will und am Laufen hält) nicht umstimmt, wird gar nichts relevantes besser… Und genau dafür sehe ich absolut keinerlei nennenswerte Ansätze, dieses Problem zu lösen. Selbst die kritischen Teile der Gesellschaft weigern sich, dieses Problem zu sehen. Nicht umsonst wird gerne »die Regierung« für alles verantwortlich gemacht — aber nicht jene große Masse an Idioten aus Lohnarbeits– und Konsumzombies, die diese neoliberal-marktfaschistische Regierung (in versch. Farbtönungen) regelm. wählt — oder auch durch bequeme Nichtwahl zumindest nicht verhindert…

Kommentar von Dennis82 zu „Und es gibt Alternativen!

Vierstundentag

Im Eifer des Gefechts der Kämpfe für den Achtstundentag produzierten die Industrial Workers of the World in den 30ern bereits Flugblätter mit Comiczeichnungen für das, was sie als ihr nächstes großes Ziel ansahen: den Vierstundentag, die Viertagewoche und einen Lohn, von dem jeder leben kann.

… Ein neuer amerikanischer Traum hat den alten inzwischen Stück für Stück ersetzt. Statt Freizeit oder Müßiggang, ist der Konsum die neue patriotische Pflicht. Konzerne können alles—von Umweltzerstörung bis zum Bau von Gefängnissen—damit rechtfertigen, Arbeitsplätze zu schaffen. Eine humanistisch-liberale Bildung, die früher dazu diente, die Leute anzuhalten, ihre freie Zeit weise zu nutzen, ist zu einem teuren und ineffektiven Berufsausbildungsprogramm umgebaut worden. Wir haben aufgehört uns vorzustellen, dass unsere Enkelkinder es einmal leichter haben könnten als wir.

… Peter Frase, ein Herausgeber des Jacobin Magazin und einer der fähigsten Verfechter eines kürzeren Arbeitstages macht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen stark. Menschen, deren Grundeinkommen gesichert ist, könnten selbst entscheiden, wie viel Geld sie zusätzlich erarbeiten möchten. Aber solange es keine wirklich mächtige und lautstarke Bewegung gibt, die sich hinter solche Forderungen stellt, werden Politiker und andere Eliten weiter behaupten, dass das Geld dafür nicht reicht.

Aus: Nathan Schneider – Wer hat den Vierstundentag geklaut? | VICE Alps

Unser Hauptproblem …

… ist, dass wir ein so unvorstellbar grausliches Bild von uns selber haben: Die Menschen sind faul, Kinder kommen leer auf die Welt, ohne Zwang und Druck geht gar nichts… der Ansatzpunkt liegt für mich in diesem schrecklichen Menschenbild, das immer das Schlechteste annimmt. Wir leben ja in einem unglaublichen Paradoxon: Einerseits haben wir sehr hochstehende Werte, auch in der christlichen Soziallehre. Der Papst ist ja fast schon der einzig Linke auf dem Planeten. Andererseits sollen wir aber konsumieren bis zum Umfallen, damit die Wirtschaft funktioniert, die anderen übers Ohr hauen, Niederhauen, damit wir schneller und besser sind. Wir sollen liebevoll und empathisch sein – aber die Konkurrenten ausstechen. Dieser Gap ist zu groß geworden in den vergangenen 30 Jahren. Wir sind eine so entsolidarisierte Gesellschaft geworden. Das will niemand, dass der andere tot vor einem liegt. Besser werden ist gut – aber in welchem Sinn und wofür? Doch nicht gegen jemanden

Erwin Wagenhofer

Warum die meisten Menschen die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ablehnen

Je mehr Angst und Druck die Leute ver­spüren, desto weniger trauen sie sich, Gerechtigkeit einzufordern – in Krisenzeiten steigt die Arbeitszufriedenheit! Von Existenzängsten getrieben, handeln wir selbst­zerstörerisch. Wir setzen uns noch mehr unter Druck und entwickeln Furcht vor der Freiheit.

[…]
Diese Initiative rüttelt an den Grundfesten unserer Sozialisation. Unsere Erziehung, unsere Ausbildung, ja unser Leben sind geprägt von der Erwerbsarbeitslogik. Wenn wir plötzlich nicht mehr malochen gehen müssten, wären viele von uns heillos überfordert. Die Bedingungslosigkeit ist die radikalste Herausforderung für das Indivi­duum überhaupt; sie lässt keine Ausreden mehr zu. Wir sind nicht darauf vorbereitet, das zu tun, was uns wirklich fasziniert.

[…] der zweite wunderbare Effekt dieser Initiative: Sie bringt die kursierenden Menschenbilder und Vorurteile an die Ober­fläche. 80 Prozent der Gegner glauben, mit dem bedingungslosen Grundeinkommen würde niemand mehr arbeiten. Sie selbst natürlich schon. Fragt sich nur: Wer sind denn die 80 Prozent?

[…]
Viele Menschen wünschen sich, weniger zu arbeiten. Woran scheitern sie?

An Karriere-, Wohlstands- und Konsumversprechen. Und daran, dass die Vorstellung einer Work-Musse-Balance fehlt. Wir sind geprägt von der Idee, wir müssten ständig weiterkommen, uns laufend verbessern, effizienter werden, um nicht unterzugehen. Davon müssen wir uns verabschieden. Die grosse Herausforderung der Zukunft wird sein, Gesellschaften zu stabilisieren, ohne dass sie wachsen. Wir müssen uns eingestehen, dass Wachstum längst nicht mehr das Glück vermehrt, sondern nur noch ein Versuch ist, das System aufrechtzuerhalten.

[…]
Es ist Tatsache, dass nicht die reichsten Gesellschaften die glücklichsten sind, sondern jene, in denen der Reichtum gerecht verteilt ist. Das ist kein volkswirtschaftliches Modell, kein Befund eines Simulationsspiels, das ist wissenschaftlich erhärtet. Unsere vermeintliche Wissens­gesellschaft ignoriert das erfolgreich.

Quelle: beobachter.ch

Emanzipation der Bürger…

… des Volkes, gemäß dem Wesensgehalt des Grundgesetzes,

ausgedrückt in Artikel 1 : „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

und ausgedrückt in Artikel 2 : „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt …“

Der Bürger muss also nicht nur frei seine Meinung sagen dürfen, er muss auch seine Meinung bilden und entwickeln können, um einen freien, unverstellten Blick auf die menschliche Gemeinschaft, den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt zu erlangen. Das bedeutet vor allem

1. Der Bürger muss frei sein von Angst vor Behörden.

2. Der Bürger muss frei von Angst sein, seinen Arbeitsplatz zu gefährden, zu verlieren oder gar obdachlos zu werden.

3. Der Bürger muss die Möglichkeit erhalten, Einblick in die Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft, der Gerechtigkeit in der Welt und der Pflichten zur Bewahrung unserer kosmischen Heimat zu gewinnen. Er muss seinen Einblick von Kindesbeinen an bis ins Alter erweitern. Es geht um seine eigene Persönlichkeit. Er muss auch Einblick in die Rechte anderer Menschen, seiner Mitbürger, gewinnen. Und er muss wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend seine Fähigkeit entwickeln können, die Rechte aller Mitbürger und seine eigenen Rechte in ihrem Verhältnis abzuwägen.

4. Der Bürger muss frei von Armut sein. Freiheit von Armut hat viele Facetten. Die schlimmste ist: Auch Armut macht ihn erpressbar.

5. Der Bürger muss bereit und in der Lage sein, Abstand zu nehmen von der Anhäufung physischer Sach-Werte, deren Summe die Realisierung der Forderungen 1 bis 4 hemmt.

6. Der Bürger muss in der Lage sein, seine Partnerschaften frei zu wählen, eine Familie zu gründen und seinen Kindern die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu garantieren.

7. Der Bürger muss in der Lage sein, die Bewahrung seiner Gesundheit den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft entsprechend zu genießen.

8. Der Bürger muss in der Lage sein, die Rechte und Pflichten seiner Persönlichkeit bei der Willensbildung der Gesamtheit des Volkes geltend zu machen.

9. Mit Blick auf GG Artikel 14 und 15 muss klargestellt werden, was als „Eigentum“ anerkannt und was entgegen bisherigen Gepflogenheiten „außer Eigentum“ zu stellen ist.

10. Was „außer Eigentum“ gestellt wird, hat „zum Wohle der Allgemeinheit“ (!) als „enteignet“ zu gelten. Was hypothetisch als „Entschädigung“ gefordert werden könnte, ist von denen schon vorab vereinnahmt worden, die diesen Anspruch vermutlich zur Geltung bringen wollen.

Quelle: hinter-den-schlagzeilen.de

Die Frage beim Konsum ist nicht wo, sondern wie

Jeder Mensch soll da einkaufen, wo er will und es sich leisten kann. (Auch wenn es schön wäre, wenn bei vielen die Wahl auf fair hergestellte Kleidungsstücke fallen würde, aber das ist eine Utopie) Nein, mir geht es um den Trend […] sich durch günstige Preise zu Massenkäufen ohne Augenmass verführen zu lassen, die dazu bestimmt sind, schnell aus dem Kleiderschrank in der Tonne zu verschwinden.

Unser Planet erstickt im Müll, wir ersticken im Müll, und wenn sich unser Konsumverhalten nicht radikal ändert, dann kann Wall-E bald aufräumen kommen. Wir werfen 82 Kilo Lebensmittel pro Mensch pro Jahr weg, soll wir auch noch 82 Kilo kaum getragenen Kleider wegwerfen? Oder nach Afrika spenden, wo unsere Wegwerfware den heimischen Markt ruiniert?

Quelle: katrinhilger.com