Staatsschulden

Die Frage, wie man eine Umstrukturierung staatlicher Schulden managt, um die Schulden auf ein langfristig zu bewältigendes Niveau zurückzuführen, ist also drängender denn je. Das aktuelle System vertraut in übertriebener Weise auf die „Tugenden“ des Marktes. Streitigkeiten werden im Allgemeinen nicht auf der Grundlage von Regeln, die eine faire Beilegung gewährleisten, sondern durch Verhandlungen zwischen unterschiedlich starken Parteien gelöst, bei denen die Reichen und Mächtigen den anderen normalerweise ihren Willen aufzwingen. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind im Allgemeinen nicht nur ungerecht, sondern auch ineffizient.

Diejenigen, die behaupten, dass das System gut funktioniert […] Was sie wirklich meinen, ist natürlich, dass die schwachen Länder in der Regel kuschen. Doch zu welchen Kosten für ihre Bürger? Wie gut funktionieren diese Umstrukturierungen? Wurde das Land damit auf einen nachhaltigen Schuldenpfad gestellt? Weil sich die Verteidiger des Status quo diese Fragen nicht stellen, folgt allzu oft eine Schuldenkrise auf die nächste.

Die Umstrukturierung der griechischen Schulden 2012 ist ein Paradebeispiel hierfür. Das Land hielt sich an die „Regeln“ der Finanzmärkte und schaffte es, die Umstrukturierung in kürzester Zeit umzusetzen. Aber die Vereinbarung war eine schlechte und trug nicht zu einer Erholung der Volkswirtschaft bei. Drei Jahre später bedarf Griechenland verzweifelt einer neuen Umstrukturierung.

Aus: Rechtliche Regeln für Staatsschulden – Joseph E. Stiglitz

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Neoliberalismus oder Untergang!

Die neueste Krise […] heißt wie die alte, nämlich Griechenland. Menschen, denen das Wort „Finanzmärkte“ nicht mit heiligen Schauern von den Lippen kommt, als gelte es einer göttlichen Macht zu huldigen, haben sich schon vor Jahren gewundert, dass ausgerechnet ein Land, das exakt 1,5 Prozent zur europäischen Ökonomie beiträgt, das reichste Europa, das es in der Geschichte jemals gegeben hat, in den Ruin führen sollte.

Voller Entsetzen malen gerade die Profiteure der Krise, die gerne die edlen Werte Europas beschwören, das Desaster an die Wand, das unaufhaltsam über ganz Europa kommen werde, wenn in Griechenland die linke Syriza die Wahlen gewinnen und die neue griechische Regierung stellen wird. Denn immerhin [hat] Alexis Tsipras […] publikumswirksam angekündigt, den sogenannten „Hilfskreditvertrag“ neu verhandeln zu wollen. In- dem die wichtigsten Politiker der Union und Scharen von Kommentatoren vor den unabsehbaren Folgen warnen, wollen sie natürlich die Wahl in Griechenland beeinflussen, damit dort weiter Leute regieren, die sich einer für Millionen Europäer in vielen Ländern verheerenden Politik fügen, die andere über sie verfügt haben. […]

Wenn es um dieses europäische Unionsvolk geht, dann hegen approbierte Demokraten sofort die allergrößten Bedenken. Das Volk, der tumbe Lümmel, könnte womöglich nicht begreifen, dass es nur zu seinem Besten ist, wenn es für die Verluste der Spekulanten aufkommen darf, und sich aus Dummheit populistischen Losungen, reaktionären Rattenfängern ergeben. […]

Alexis Tsipras ist kein Heilsbringer, weder für Griechenland noch für Europa. Warum aber wird er in den europäischen Medien in eine Reihe mit Finsterlingen wie Erdogan oder Putin gestellt? Hat er angedroht, bei einem Wahlsieg missliebige Journalisten und Anwälte ins Gefängnis zu werfen? Hat er den griechischen Nationalisten versprochen, Izmir, das heilige Smyrna, mit einem militärischen Coup zurückzuerobern? Nein, er hat nur angekündigt, dass Griechenland nicht in alle Ewigkeit von einer demokratisch nicht legitimierten Troika regiert werden und die Operation Schuldentilgung ihren Ausgang nicht im Tod des Patienten finden dürfe.

Dass Tsipras gewählt werde, ist keine Gefahr für die Union, sondern eine Chance, nicht nur für Griechenland selbst. Es ist die Chance, dass die Union nicht mit jener Sparpolitik fortfahre, von der zahllose Ökonomen vom Amerikaner Krugman bis zum Österreicher Schulmeister nachgewiesen haben, dass sie nicht nur asozial und ungerecht, sondern auch unproduktiv und zerstörerisch ist. Das heißt nicht Rückkehr zum fröhlichen Schuldenmachen, sondern Vorstoß zum menschengemäßen Wirtschaften. Wem dieses Ansinnen alleine schon als gefährliche Drohung erscheint, der hat sich offenbar damit abgefunden, dass die Menschen ihre eigene Geschichte nur erleiden dürfen, nicht mitgestalten können.

In Griechenland hat es mit der Krise begonnen, angeblich, denn in Wahrheit begann sie viel früher und ganz woanders, mit der neoliberalen Zurüstung der europäischen Ökonomie und mit der profitablen Illusion, Geld vermehre sich von selbst. In Griechenland könnte aber auch der Weg aus der Krise, der andere Weg durch die Krise seinen Anfang nehmen.

Die Europäische Union ist eine großartige Erfindung; es ist fatal, wenn wir sie denen überlassen, für die die Europäer selbst nur als Zubehör der Ökonomie zählen und die ganz Europa auf ihr fundamentalistisches Dogma einschwören wollen, das da lautet: Neoliberalismus oder Untergang!

Aus: Karl-Markus Gauß – „Der Hunger ist zurückgekehrt“ | derStandard

Wachen Sie auf

Hinter verschlossenen Türen werden Abkommen wie TISA oder TTIP abgenickt um das Volksvermögen an Konzerne und die Finanzindustrie zu verhökern. Die “freie Marktwirtschaft” bringt uns allen schließlich nur Vorteile!?!

Wachen Sie auf aus dem Traum von unendlichem Wohlstand, als normaler Bürger werden Sie daran nicht teilhaben. Man wird Sie Stück für Stück weiter berauben und auf einem Existenzminimum vegetieren lassen. Die Politik ist längst nicht mehr die Herrschaft des Volkes, auch wenn man Sie das Glauben lassen möchte.

Aus: Jens Blecker – Die EU zeigt ihre diktatorische Fratze | IKNews

Nadelstreifnieten

Manager haben fast immer ein Super-Selbstbild. Sie begreifen sich als Born der Geschäftsweisheit, als Benchmark des Businessgeschehens, als Mover und Shaker, ohne die ökonomisch rein gar nichts vorwärtsginge. Die zauberhaften Saläre, die diese Menschengattung einstreift, verleiten sie dabei ständig zum Zirkelschluss, wenn man so viel verdiene, müsse man auch zwangsläufig super sein.

Was natürlich keineswegs stimmt. Denn unter den Managern gibt es mindestens ebenso viele aufgeblasene Zyniker, Nullnummern, Minderleister, Megaautisten, Orgelpfeifen, Sackgesichter, Scheuklappendenker, Giftmischer, Strohköpfe, Torfschädel und Cäsarenwahnsinnige wie unter der gemeinen Erwerbsbevölkerung auch.

Der Unterschied ist lediglich der, dass die Nadelstreifnieten über ein wesentlich größeres Potenzial zur flächendeckenden Schadensmaximierung verfügen.

Aus: Christoph Winder – Die Sauhaufen-Beteiligungs-AG | derStandard

Weg_gesperrt

Freiheit bedeutet Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung im Interesse der internationalen Finanz-Oligarchie. Frei ist der, der die Verbote, Regeln und Gesetze festsetzt und sie gleichzeitig umgehen kann. Für alle anderen ist Freiheit: Anpassung, Konformität und Unterordnung.

Quelle: zeitgeistlos.de

Innovation

Man erinnere sich, wie stolz der Finanzsektor vor ein paar Jahren – direkt vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers – auf seine Innovationsfähigkeit war. Angesichts der Tatsache, dass die Finanzinstitute damals die besten Köpfe aus aller Welt anlockten, hätte man nichts anderes erwartet. Doch bei näherer Betrachtung wurde klar, dass es bei den meisten dieser Innovationen primär darum ging, bessere Methoden zu entwickeln, um andere über den Tisch zu ziehen, die Märkte zu manipulieren, ohne erwischt zu werden (zumindest für lange Zeit), und seine Marktmacht auszunutzen.

Joseph E. Stiglitz