Von Privat zu Staat

  • Warum kommen Grossbanken und Hedgefonds für ihre grobfahrlässigen Geldanlagen in Griechenland nicht zur Kasse?
  • Wie konnten sie ihre Risiken vor allem in Deutschland und Frankreich an die Steuerzahlenden überwälzen?
  • Warum wollen die EU-Institutionen Griechenland (und Portugal, Irland, Spanien oder Italien) keinen Schuldenerlass gewähren, während sie gleichzeitig die europäischen Grossbanken mit jährlich über 300 Milliarden Dollar subventionieren?
  • Wer trägt dafür die Verantwortung?

Antworten: Tabuthema Großbanken – Urs P. Gasche

Schuldenschnitt

Das Problem ist, dass die vergiftete Debatte um den Schuldenschnitt, – den die Deutschen ungefähr genauso fürchten, wie die angeblich ständig drohende Inflation -, von vier Mythen getragen wird.

(1) Der erste Mythos ist die Behauptung, den Griechen würde mit deutschen Steuergeldern geholfen. In Wahrheit ist das an Heuchelei kaum zu überbieten. […] Tatsächlich aber sind in der sogenannten Staatsschuldenkrise Banken gerettet worden und nicht Menschen. […]

(2) Der zweite Mythos ist der einer Alternative zu den Verlusten eines Schuldenschnittes. […]
So oder so aber müssen uneinbringliche Forderungen abgeschrieben werden. […] Skandalös an dem Vorgang ist ohnehin mitnichten der Schuldenschnitt selbst, sondern alleine die vorherige Umschuldung zu Lasten der Steuerzahler (“Bankenrettung”), womit übrigens auch die deutschen Banken gerettet wurden […]

(3) Der dritte Mythos ist zugleich ein Gründungsmythos der Bundesrepublik: Der des ehrlich sparenden und schwäbisch wirtschaftenden Deutschen, der mit Blut, Schweiß und Tränen das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hat. […] Dabei währe auch das deutsche Wirtschaftswunder ohne Marshallplan und einen Schuldenschnitt, der den Deutschen 1953 auf der Londoner Schuldenkonferenz – übrigens auch von Griechenland – gewährt wurde, nicht denkbar gewesen. […]

(4) Schließlich ist der vierte Mythos der Glaube, der einfache Bürger würde im Falle eines Schuldenschnittes und dem Ende des Spardiktates von den Griechen über den Tisch gezogen werden – ganz so wie es die Bildzeitung suggeriert. Mittel- bis langfristig ist aber das Gegenteil der Fall. Es will den Deutschen einfach nicht in den Kopf, das Griechenland ein Versuchslabor des Neoliberalismus ist. Hier wird oder wurde geprobt, wie weit den Europäern eine Politik der sozialen Kälte zuzumuten ist. Der Kahlschlag in Griechenland und überall in Südeuropa ist ein Bumerang des Sozialdumpings, der unter dem Narrativ der Wettbewerbsfähigkeit auch wieder auf Deutschland zurückschlagen wird. Eigentlich müssten sich die deutschen Arbeitnehmer dringend solidarisch mit Syriza erklären.

[…] Es braucht einen Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland, einen Lastenausgleich, der das Vermögen der Reichen und Reichsten heranzieht und ein groß angelegtes Konjunkturprogramm – also genau das Gegenteil von der gegenwärtigen Politik. […]

Das will Syrzia, das will auch Podemos, die derzeit als einzige Kräfte in Europa in der Lage sind, eine alternative Politik zu skizzieren. Entscheidend wird sein, ob die Alternative eine europäische Mehrheit gegen die von Merkel gepredigte Alternativlosigkeit schaffen kann. Geschieht das nicht, wird der europäische Weg wieder zurück ins Dunkel führen.

Das Zünglein an der Waage aber sind die deutschen Wähler. Ihnen obliegt es letztendlich, die Krisenpolitik a la Merkel zu beenden. Doch das ist nicht absehbar. Parteipolitisch und in den Köpfen der Wähler herrscht der Geist der Restauration. Oder anders gesagt: Das politische Biedermeiertum hat hierzulande Tradition – zum Leidwesen ganz Europas.

Aus: Sebastian Müller – Die Mythen des deutschen Michels | le Bohémien

Fehler im System

Wer Menschen mit leeren Versprechen das Geld aus der Tasche ziehen kann oder dabei hilft die Menschen in einem Zustand zwischen krank und gesund zu halten, hat finanziell einfach die Nase vorn.


Auch das Handwerk hat schon lange keinen “goldenen Boden” mehr, wer braucht schon jemanden der einem die Wasserleitung repariert oder das Dach abdichtet? Nein, was man wirklich braucht ist ein Banker der auf kurz oder lang die Rente und das Ersparte an die Wand fährt, das sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Aus: Jens Blecker – Topjobs: Der Fehler im System | IKNews

Vorgeschmack auf TTIP

Die Eigentümerin der Meinl Bank, die Julius Meinl zuzurechnende Beleggingsmaatschappij Far East B.V., verklagt Österreich auf 200 Millionen Euro. Als Grund wird der Schaden angegeben, der durch die seit sieben Jahren andauernden Ermittlungen angerichtet worden sei.

Aus: Causa Meinl bringt Vorgeschmack auf TTIP | derStandard

D.h., wenn du wegen meinen vermutlich unsauberen Geschäften gegen mich ermittelst, zerre ich dich vor ein Schiedsgericht

deinen Keks!

Ein Bankier, ein Krone*-Leser und ein Asylwerber sitzen an einem Tisch.
Auf dem Tisch liegen 12 Kekse.
Der Banker nimmt sich 11 Kekse und sagt zum Krone-Leser:
»Pass auf, der Asylant will deinen Keks!«

* für deutsche [und schweizer] Leserinnen: die Kronen Zeitung ist Österreichs BILD [Blick]

Quelle: Brennstoff No. 38/14 S. 13 (pdf)

Nadelstreifnieten

Manager haben fast immer ein Super-Selbstbild. Sie begreifen sich als Born der Geschäftsweisheit, als Benchmark des Businessgeschehens, als Mover und Shaker, ohne die ökonomisch rein gar nichts vorwärtsginge. Die zauberhaften Saläre, die diese Menschengattung einstreift, verleiten sie dabei ständig zum Zirkelschluss, wenn man so viel verdiene, müsse man auch zwangsläufig super sein.

Was natürlich keineswegs stimmt. Denn unter den Managern gibt es mindestens ebenso viele aufgeblasene Zyniker, Nullnummern, Minderleister, Megaautisten, Orgelpfeifen, Sackgesichter, Scheuklappendenker, Giftmischer, Strohköpfe, Torfschädel und Cäsarenwahnsinnige wie unter der gemeinen Erwerbsbevölkerung auch.

Der Unterschied ist lediglich der, dass die Nadelstreifnieten über ein wesentlich größeres Potenzial zur flächendeckenden Schadensmaximierung verfügen.

Aus: Christoph Winder – Die Sauhaufen-Beteiligungs-AG | derStandard