Gegeneinander ausgespielt

Während auf wirtschaftspolitischer Ebene die Milliarden für Systeme fließen, die „too big to fail“ sind, wird bei sozialpolitischen Agenden auf die Verknappung finanzieller Ressourcen hingewiesen. Und während auf nationaler und internationaler Ebene Politik gemacht wird, die Armut produziert, wird auf nationaler Ebene politisches Kleingeld daraus geschlagen. Die äußerst heterogenen, armutsbetroffenen Bevölkerungsgruppen werden zu Bedroherinnen und Bedrohern des Systems hochstilisiert, die aufgrund ihrer Faulheit, ihrer Unfähigkeit oder ihrer Herkunft jenen Kuchen essen, den die Fleißigen und Tüchtigen täglich backen. Dadurch werden die Gesellschaft als Ganzes und besonders schutzbedürftige Teile der Bevölkerung gegeneinander ausgespielt und jegliche Solidarität verhindert.

Aus: Der „Solidarity-Storm“ für Obdachlose – eine Heuchelei | Christian Zahrhuber

2264 $/sec.

Apple machte im 4. Quartal 2014 einen Nettogewinn 18 Milliarden Dollar:

… in jeder Sekunde mehr […], als viele deutsche Arbeitnehmer netto in einem ganzen Monat verdienen. 2264 Dollar sind es, um genau zu sein. […]

Apples hohe unternehmerische Qualität hat an dem Rekordgewinn einen großen Anteil. Aber sie ist nicht der einzige Grund für den Erfolg. Dass der Konzern so viel verdient, liegt auch an einer Reihe zweifelhafter Geschäftspraktiken.

1. Ausbeuterische Produktion

2. Dreiste Steuertricks

3. Fragwürdiger Datenschutz

4. Kurskosmetik

Aus: Rekordgewinn mit fragwürdigen Methoden – Apples schmutzige Milliarden | t-online

dazu passend:

Apple fährt Riesengewinne ein – und bezahlt Minilöhne

Schuldenschnitt

Das Problem ist, dass die vergiftete Debatte um den Schuldenschnitt, – den die Deutschen ungefähr genauso fürchten, wie die angeblich ständig drohende Inflation -, von vier Mythen getragen wird.

(1) Der erste Mythos ist die Behauptung, den Griechen würde mit deutschen Steuergeldern geholfen. In Wahrheit ist das an Heuchelei kaum zu überbieten. […] Tatsächlich aber sind in der sogenannten Staatsschuldenkrise Banken gerettet worden und nicht Menschen. […]

(2) Der zweite Mythos ist der einer Alternative zu den Verlusten eines Schuldenschnittes. […]
So oder so aber müssen uneinbringliche Forderungen abgeschrieben werden. […] Skandalös an dem Vorgang ist ohnehin mitnichten der Schuldenschnitt selbst, sondern alleine die vorherige Umschuldung zu Lasten der Steuerzahler (“Bankenrettung”), womit übrigens auch die deutschen Banken gerettet wurden […]

(3) Der dritte Mythos ist zugleich ein Gründungsmythos der Bundesrepublik: Der des ehrlich sparenden und schwäbisch wirtschaftenden Deutschen, der mit Blut, Schweiß und Tränen das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hat. […] Dabei währe auch das deutsche Wirtschaftswunder ohne Marshallplan und einen Schuldenschnitt, der den Deutschen 1953 auf der Londoner Schuldenkonferenz – übrigens auch von Griechenland – gewährt wurde, nicht denkbar gewesen. […]

(4) Schließlich ist der vierte Mythos der Glaube, der einfache Bürger würde im Falle eines Schuldenschnittes und dem Ende des Spardiktates von den Griechen über den Tisch gezogen werden – ganz so wie es die Bildzeitung suggeriert. Mittel- bis langfristig ist aber das Gegenteil der Fall. Es will den Deutschen einfach nicht in den Kopf, das Griechenland ein Versuchslabor des Neoliberalismus ist. Hier wird oder wurde geprobt, wie weit den Europäern eine Politik der sozialen Kälte zuzumuten ist. Der Kahlschlag in Griechenland und überall in Südeuropa ist ein Bumerang des Sozialdumpings, der unter dem Narrativ der Wettbewerbsfähigkeit auch wieder auf Deutschland zurückschlagen wird. Eigentlich müssten sich die deutschen Arbeitnehmer dringend solidarisch mit Syriza erklären.

[…] Es braucht einen Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland, einen Lastenausgleich, der das Vermögen der Reichen und Reichsten heranzieht und ein groß angelegtes Konjunkturprogramm – also genau das Gegenteil von der gegenwärtigen Politik. […]

Das will Syrzia, das will auch Podemos, die derzeit als einzige Kräfte in Europa in der Lage sind, eine alternative Politik zu skizzieren. Entscheidend wird sein, ob die Alternative eine europäische Mehrheit gegen die von Merkel gepredigte Alternativlosigkeit schaffen kann. Geschieht das nicht, wird der europäische Weg wieder zurück ins Dunkel führen.

Das Zünglein an der Waage aber sind die deutschen Wähler. Ihnen obliegt es letztendlich, die Krisenpolitik a la Merkel zu beenden. Doch das ist nicht absehbar. Parteipolitisch und in den Köpfen der Wähler herrscht der Geist der Restauration. Oder anders gesagt: Das politische Biedermeiertum hat hierzulande Tradition – zum Leidwesen ganz Europas.

Aus: Sebastian Müller – Die Mythen des deutschen Michels | le Bohémien

Westliche Werte

Gebe es sie nicht, müsste man sie eigentlich unbedingt erfinden, all diese IS, Pegidas, Boko Harams, ukrainische Patrioten, russische Nationalisten und anderen Gruppen, die den Menschen auf vielfältige Art und Weise nahelegen, sich wegen Religion, Hautfarbe oder auch nur Aussprache gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Andernfalls würden sich diese womöglich fragen, was denn eigentlich hinter dem ganzen Gerede von den westlichen Werten steckt, oder konkreter: Wieso ihr Anteil am Kuchen nicht nur mickrig ist, sondern sogar noch weiter schrumpft.

Aus: Wolfgang Pomrehn – Umverteilung von unten nach oben | Telepolis

Notwehr

Es ist kaum zu erwarten, dass die Denkfabrik des Geldes, das World Economic Forum, kurz WEF, irgendwann zu dem Entschluss kommt, sich selbst abzuschaffen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Mitglieder des WEF in Zukunft die Einsicht gewinnen, ihren Reichtum für eine gerechtere Welt nicht weiter vermehren zu wollen. Selbst die Einsicht, nicht zur Beglückung der Menschheit beizutragen, dürfte in den Kreisen des WEF als finanztheologische Blasphemie gesehen werden.

Notwendig aber ist es, diesen Wahn von der Allmacht des Reichtums zu beenden. Nicht Neid ist das zwingende Argument dafür, es ist Notwehr. Wenn das nicht gelingt, wird der fatale Verteilungsschlüssel bestehen bleiben und 1 Prozent auch weiterhin an Armut und Verteilungskämpfen verdienen.

Aus: Heinz Sauren – Davos und die Trutzburg des Kapitals | le Bohémien

Ein Prozent

Ein Prozent der Weltbevölkerung wird 2016 mehr Vermögen angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent zusammen. “Die soziale Ungleichheit wächst schockierend schnell”, heißt es in einem Bericht der britischen Aktivistengruppe Oxfam zur Vermögensverteilung auf der Welt.
Demnach gehörten 2009 noch 44 Prozent des Wohlstands einem Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bereits bei 48 Prozent. 2016 wird dieses eine Prozent reicher Menschen wohl 50 Prozent des weltweiten Vermögens besitzen – die andere Hälfte verteilt sich widerum sehr ungleich auf die restlichen 99 Prozent.

Anmerkung JK: Das ist eigentlich das Thema, das intensiv diskutiert werden müsste. Es mag wieder einmal zynisch klingen, aber die aktuelle Fokussierung der Öffentlichkeit auf den islamistischen Terror dürfte bestimmten Kreisen ganz recht sein.

Quelle: nachdenkseiten.de

selbst schuld

„Hartz IV“ wurde zum Stigma einer ganzen Menschengruppe und zum Schreckgespenst der Mittelschicht. Denn unterschwellig sandten diese Reformen eine Botschaft: Streng dich an. Mach, was wir dir sagen. Bilde dich fort, sei pünktlich und fleißig. Dann wird das schon. Wenn du dann keine Arbeit bekommst, bist du selbst schuld. Wenn du arm bist, dann bist du selbst schuld. […]

Die Hartz-Reformer taten so, als seien die Menschen arm, weil sie nicht genug sparten und nicht fleißig genug waren. Dabei kann einer noch so gut mit seinem Geld haushalten und noch so viel arbeiten. Es gibt Dinge, bei denen gerade Arme viel bezahlen müssen. Und das macht jeden Schritt für sie doppelt, wenn nicht gar dreifach schwer.

Hier sind sechs Beispiele