Gewählte Regierung

Dass einzelne Staaten im Zuge der Krise unter Kuratel gestellt wurden und gewählte Parlamente samt ihren Regierungen entmündigt wurden, war vielleicht unumgänglich, um Schlimmeres zu vermeiden; ein Bruch mit den elementaren Prinzipien der Demokratie bleibt es. Dass diese Entmündigung von jenen Parteien exekutiert wurde, die zuvor den Staat in den Ruin gewirtschaftet hatten, hat die Wut auf das Establishment nur noch befeuert. Nicht verschweigen werden soll, dass die Bürger am Zugrunderichten ihres Gemeinwesens mitgewirkt haben.

Sollten die griechischen Wähler am Sonntag nun tatsächlich die Reste ihres korrumpierten Parteienstaats hinwegfegen, wäre zumindest dem Wunsch nach einem demokratischen Neubeginn Genüge getan. Ob das ausreicht, die Bürger mit ihrem Staat zu versöhnen, wird sich erst zeigen. Niemand kann ausschließen, dass alles noch schlimmer kommt – etwa im Falle eines „Grexit“ oder falls sich Syriza als Haufen regierungsunfähiger Chaoten erweist. Aber immerhin wäre es dann das Versagen einer gewählten Regierung.

Aus: Walter Hämmerle – Neubeginn als Bürger | Wiener Zeitung

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