Religiöse Erziehung

Religiöser Erziehung wohnt ein Schadenspotential inne, das direkt aus der Wurzel wächst. Es hat nämlich weniger mit ihren Inhalten zu tun […] sondern vielmehr mit der Art und Weise des Denkens, die durch sie befördert wird. Der Inbegriff des aufgeklärten Denkens ist es, sich dem eigenen Verstand zu bedienen, jede Behauptung zu hinterfragen und ihre Rechtfertigung auf Vernünftigkeit zu prüfen. Der Inbegriff des religiösen Denkens ist die Orientierung an Autoritäten und an den Dogmas der Religion.

[…] Ansichten, die mit dem Verweis auf Autoritäten und Dogmas begründet werden, stehen auf losem Fundament. Jeder Mensch, der sich in seinen moralischen Auffassungen vornehmlich nach solchen Kriterien richtet, ist stark beeinflussbar, erliegt rascher seinen Affekten, ist auch neuen Autoritäten und entsprechend auch anderen Auslegungen leichter zugänglich, ist radikalisierbar.

Ein erster Schritt, um diesem Umstand zu begegnen, muss die Schaffung eines verpflichtenden Ethikunterrichtes sein, der allen Schülern ungeachtet ihrer Weltanschauung eine aufgeklärte Denkweise im Umgang mit moralischen Fragen beibringt. Ethik muss in unserem Bildungssystem endlich den Status einer philosophischen Disziplin erhalten, die im Angesicht der sozialen und ökologischen Tragweite unseres Handelns als Konsumenten und als politische Bürger enorme gesellschaftliche Relevanz hat. Die Religion kann dies nicht leisten. So wichtig sie offenkundig für die Gestaltung des persönlichen und privaten Lebens gläubiger Menschen ist, so ungeeignet ist sie für die moralische Erziehung unserer Kinder in dieser komplizierten Welt. Wer dies nicht zugesteht, fügt unserer Gesellschaft nachhaltigen Schaden zu, dessen Ausmaß noch gar nicht einzuschätzen ist.

Aus: Mahiat – Zum Schaden durch religiöse Erziehung | Nachtliteratur

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