Vorurteile

Dass […] viele Arbeitslose nur deshalb arbeitslos bleiben, weil sie arbeitslos sind, hat sich immer noch nicht herumgesprochen. Dabei ist längst erwiesen, dass ein Großteil der Unternehmen Arbeitslose bei Stellenbesetzungen von vornherein ausschließen. […]

Es ist zwar allgemein bekannt, dass große Teile der Bevölkerung ein schlechtes Bild von Arbeitslosen haben. So glaubt etwa fast jeder Zweite, die meisten Arbeitslosen seien gar nicht an einem Job interessiert. Da wäre es schon verwunderlich, wenn Personalverantwortliche von solchen Vorurteilen frei wären. […]

In der neoliberalen Gedankenwelt gilt der Markt als unfehlbar. Als Ursachen für Arbeitslosigkeit kommen folglich nur zu hohe Sozialleistungen – die die freie Entfaltung der Marktkräfte behindern – oder Defizite der Arbeitslosen selbst in Frage. Diese sind entweder zu schlecht, zu gut oder einfach falsch ausgebildet, zu immobil, zu alt oder unwillig, sich mit Hungerlöhnen abspeisen zu lassen.

Aus: Hans-Dieter Rieveler – Aussortiert und abgestempelt | Telepolis

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