Die Lastenträger

Günter Wallraff hat gemeinsam mit dem Verein „work-watch“ ein Buch mit Reportagen und Hintergrundberichten (Verlag kiwi, 300 Seiten, 14,99 Euro) herausgegeben, das sich dem Arbeitselend „ganz unten“ widmet. Dort stecken heute 25 Prozent der Erwerbstätigen fest, deren Löhne selbst bei Vollzeitjobs nicht reichen würden – um über die amtlich gemessene Armutsgrenze zu kommen. 14 Autorinnen und Autoren haben sich auf den Weg in diesen Niedriglohnsektor gemacht und nicht nur finanzielle Ausbeutung gefunden. Was schon allein deshalb verdienstvoll ist, weil diese Gesellschaft das Phänomen „Arm durch Arbeit“ immer noch für ein Randphänomen hält, es nur abstrakt an sich heran lässt oder sogar glaubt, das neue Mindestlohngesetz löse es. […]

„Die Lastenträger“ konfrontieren uns in den spannend zu lesenden Texten mit einem Klima des systematischen Rechtsbruchs, wie er in zahlreichen Unternehmen vorkommt. Und die Leserin und der Leser weiß am Ende: es kann und darf so nicht weitergehen in diesem Land. Die Schneise in der Arbeitswelt, in der Lohndumping, Überarbeitung und Willkür herrschen, hat sich schon viel zu weit ins Land gefressen. Klar ist leider auch: Von oben kommt keine Rettung. […] Schwarzmalerei? Wer dieses Buch gelesen hat, weiß, dass verbriefte Schutzrechte für Millionen Beschäftigte in deutschen Betrieben nicht gelten und dass von Rechtssicherheit nicht die Rede sein kann. Und dass weder Aufsichtsbehörden noch Justiz dagegen durchgreifen.

„Die Lastenträger“ müssen sich schon selber helfen, ist die Botschaft dieses Bandes, die das auch mit konkreten Beispielen belegt. Besser noch wäre allerdings, wenn wir alle wachsamer reagieren würden, auf das was da „ganz unten“ passiert. Wer kann schon ausschließen, dass er der Nächste ist?

Aus: Gerd Bosbach – „Die Lastenträger“ – Eine elende Bestandsaufnahme | NachDenkSeiten

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