Reichtum – ein Lebensideal?

Häufig wird behauptet, man bräuchte nur genug Geld, dann hätte man für sein Leben ausgesorgt. Ein sorgenfreies und glückliches Leben würde einen erwarten. […] Also wird jahrzehntelang Lotto gespielt, sich an Gewinnspielen beteiligt, Geld in Lebensversicherungen und Sparguthaben angelegt oder sich kaputt geschuftet – alles in der Hoffnung, irgendwann reich oder zumindest halbwegs vermögend zu sein. Was ist aber, wenn in Wahrheit die meisten Reichen weder glücklich, noch sorgenfrei sind? Sondern, ganz im Gegenteil, eigentlich in ständiger Angst leben?

Ich würde sogar behaupten, dass viele Vermögende große Verlustängste davor haben, Macht, Kontrolle, Geld und Einfluss zu verlieren. […] Sie haben Angst, dass ihr Vermögen, ihr Sparguthaben, ihre Anlagen, ihre Immobilien und ihre Aktien an Wert verlieren oder gar gepfändet, gestohlen oder enteignet werden. Sie fürchten sich vor Fremden, denn sie könnten ihnen ihr Geld und ihre Wertsachen rauben oder sie betrügen. Überhaupt werden sie misstrauischer gegenüber den Menschen, denn jeder sei doch nur an ihrem Vermögen interessiert. Sie beginnen sich mit Sicherheitssystemen, Überwachungskameras, Alarmanlagen, Tresoren, kugelsicheren Fenstern und Autoscheiben, Sicherheitsdiensten, Spionagesystemen, Privatdetektiven, Anwälten, Waffen, Wachschutz und Zäunen einzuigeln und gegenüber ihren Mitmenschen abzuschirmen.

… Sollten wir also Mitleid mit ihnen haben? Sicher nicht. Die Milliardäre dieser Welt sind für unzähliges Leid, Armut, Enteignung und weltweiten Hunger mit verantwortlich. Die Maxime, dass die Reichen nur reicher werden können, wenn die Armen ärmer werden, gilt heute stärker denn je. […] Insofern sollten wir die Reichen dieser Welt nicht als anzustrebendes Lebensideal betrachten und ihnen erst Recht keinen Beifall klatschen, wenn sie ihre nächste Million einstreichen.

Aus: epikur – Die Angst der Reichen | ZG Blog

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