Anerkennung der Grenzen

Deutschland zittert vor dem Abschwung und die ganze Welt bangt mit. Doch statt Investitionen oder Sparpolitik brauchen wir endlich neue Konzepte.

Wie reagieren Politik, Ökonomie und Medien [auf den Abschwung]? Mit altbekannten Mustern: Mehr Investitionen fordern die einen, die Beibehaltung der Sparpolitik verteidigen die anderen. […]

Was also tun, wenn wachstumsfixierten Gesellschaften das Wachstum abhandenkommt und ihnen vermeintlich die Arbeit ausgeht? Wie weiter, wenn die Zeiten des Wachstums vorbei sind und wir uns also ernsthaft mit einer Gesellschaft in Zeiten des Postwachstums befassen müssen?

[…] eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf höchstens 30 Wochenstunden, die Umverteilung der vorhandenen Erwerbsarbeit also. Die Erweiterung des herrschenden Arbeitsbegriffs – und zwar auf die gesamte gesellschaftlich notwendige Arbeit. Hierfür müssen wir das breite Spektrum der vor allem von Frauen geleisteten Ver- und Fürsorgearbeit, informelle Eigenarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten gegenüber der Erwerbsarbeit aufwerten und sie zuallererst als sozialversicherungspflichtig anerkennen.

Um die Übergänge zwischen den verschiedenen Tätigkeitsbereichen abzusichern, bedarf es einer destigmatisierten Grundsicherung. Eine ökologische Steuerreform muss den Faktor Arbeit entlasten: Die Besteuerung von Ressourcen- und Energieverbrauch schafft Kostenwahrheit und sorgt für eine radikale Absenkung unseres destruktiven Verbrauchsniveaus. […]

Ohne Zweifel: All dies kommt im Vergleich zu tradierten Maßnahmen einem sozialen Experiment gleich. Doch ohne die Anerkennung unserer ökologischen, ökonomischen und existenziellen Grenzen wird es nicht gehen.

Aus: Beate Littig – Für ein Leben nach dem Wachstum | der Freitag

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