Privilegien sind unsichtbar

Als Student hörte ich in einem Feminismusarbeitskreis ein Gespräch zweier Frauen, das alles für mich veränderte. Eine war schwarz, die andere weiß. Die Weiße meinte, dass alle Frauen die gleiche Unterdrückung erlebten, deswegen verbinde sie eine intuitive Solidarität. Die Schwarze sagte: „Da bin ich nicht so sicher. Wenn du in den Spiegel siehst, was siehst du?“ Die Weiße antwortete: „Eine Frau.“ Die andere: „Ich sehe eine schwarze Frau. Für dich ist die Rasse unsichtbar, für mich nicht.“ So funktionieren Privilegien. Wer sie hat, sieht sie nicht.

Aus: Interview von Colette M. Schmidt mit Michael Kimmel – Feminismus ist eine feine Sache für uns Männer | dieStandard

Advertisements