Cui bono?

Seit der Industrialisierung ist der Mensch zur Maschine geworden, zum Rädchen im Räderwerk, das laufen muss. Immer galt es, Leistung zu steigern, ja kein Sand im Getriebe zu werden. Fortschritt wurde zur Devise, Disziplin der Schlüssel zum Erfolg, Standardisierung die nötige Voraussetzung für die gigantische Ausrichtung, die in der Globalisierung ungeahnte Ausmaße annahm.

… Die Gegenbewegungen sind stark, vor allem durch wieder erstarkte Religionen. […] Kapitalismus mit seinem Optimierungsdenken hier, religiöse Angstkultur dort. Es fehlt das politische Korrektiv.

… Ziel ist nicht mehr die Persönlichkeitsbildung reifer, mündiger Menschen, sondern die Heranbildung von Funktionären, die ihre Rolle maximal erfüllen.

Die Social Media wirken als Verstärker und „Selbsterzieher“ im weltumspannenden Programm der Deprivatisierung und Gleichausrichtung, das oft freiwilliger Gleichschaltung entspricht.

Alles, um in umfassendem Selfmanagement mit klugem Zeitmanagement das Leistungspotenzial zu steigern, mehr aus sich herauszuholen, erfolgreich zu sein und zu bleiben. Um Gewinner zu sein, um kein Loser zu werden. Cui bono?

Aus: Haimo L. Handl – Selbstoptimierung | Wiener Zeitung

Advertisements