Hauptsache Arbeit

Was macht die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen so kontrovers?

Sie rüttelt am herrschenden Arbeitsbegriff …

Hauptsache Arbeit, sagt die Politik und meint die Lohnarbeit. Angesichts von Millionen Menschen, die sich mit Niedriglohnjobs durchschlagen müssen oder mit Hartz-IV Maßnahmen gegängelt werden, eine zynische Maxime.

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Spielt etwa ein Vater mit seinem Kind, ist er ökonomisch unproduktiv und erzeugt kein Bruttosozialprodukt. Engagiert er einen Babysitter und bezahlt ihn dafür, verwandelt sich das Spiel in Erwerbsarbeit und treibt die Wertschöpfung voran. Und jetzt kann der Vater seine kindfreie Zeit nutzen, um selbst arbeiten zu gehen.

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Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde jedem ein Einkommen ohne Erwerbszwang garantieren. Jeder könnte auf bescheidenem Niveau wählen, ob und zu welchen Bedingungen er einer bezahlten Arbeit nachgehen will. Der Zwang auf Teufel-komm-raus Einkommen zu generieren, wäre nicht mehr das Motiv, eine Erwerbsarbeit anzunehmen. Sinn, Lust und Talent könnten Hauptmotive sein, um tätig zu werden oder berufstätig.

Es ist absurd, dass wir trotz ungeheurer Produktivitätserfolge durch Maschinen und angesichts enormer Wissensressourcen weiter die Lohnarbeit als zentrale Sinnstiftungsinstanz hochhalten. Glücklich schätzen kann sich, wer im Beruf Sinn und genügend Einkommen vorfindet. Aber wie viele Job-Inhaber trauen sich gar nicht erst, die Frage nach dem Sinn zu stellen?

Wer die Drecksarbeit macht unter Grundeinkommensbedingungen, fragen Sie?

Tja, wo fängt Arbeit an, dreckig zu sein? Beim Windeln von Kindern oder beim Reinigen von Abwasserrohren? Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, was die sogenannte Drecksarbeit betrifft: Man legt selbst Hand an oder die Arbeit wird besser bezahlt oder sie fällt einfach weg, etwa durch Automatisierung. Würden Sie einen Drecksarbeitsplatz verteidigen?

Überhaupt reden wir alle immer gern über andere. „Der da“ würde mit einem garantierten Grundeinkommen gar nichts mehr tun, denken Sie vielleicht. Woher wissen Sie das? Und vielleicht würde auch Ihnen weniger Arbeitsdruck und mehr Muße gut tun?

Aus: Günter Rohleder – Ich arbeite, also bin ich | Deutschlandradio

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