Digitale Überwachungsgesellschaft

Die digitale Überwachungsgesellschaft folgt genau der Logik der Leistungsgesellschaft. Das Leistungssubjekt ist frei von äußerer Herrschaftsinstanz, die es zur Arbeit zwingt und ausbeutet. Der Wegfall dieses disziplinarischen Zwanges führt aber nicht zu einer wirklichen Freiheit und Zwanglosigkeit, denn das Leistungssubjekt beutet nun sich selbst freiwillig aus. […]

Diese Logik liegt auch der digitalen Kontrollgesellschaft zugrunde. Die freiwillige Selbstausleuchtung und Selbstentblößung sind effizienter als die Fremdausleuchtung, weil sie mit dem Gefühl der Freiheit einhergehen. Diese gefühlte Freiheit ist der Grund, dass wir kaum gegen die Totalüberwachung protestieren. Heute vollzieht sich die Überwachung nicht, wie man gewöhnlich annimmt, als Angriff auf die Freiheit. Vielmehr macht sie von der Freiheit Gebrauch.

Aus: Byung-Chul Han – Unsere gefühlte Freiheit ǀ der Freitag

Advertisements