Das habe ich ja nicht gewusst

Von wegen: Das Grundeinkommen ließe einen fauler werden. Es lässt vielmehr die Faulheit auffliegen. Die Faulheit im Hinschauen, im Nachfragen, die Faulheit, sich hinter Arbeitsplätzen zu verstecken, anstatt sich dem Notwendigen zuzuwenden. Es geht nicht um ein fixes Urteil, was falsch und was richtig wäre, sondern um mehr Freiheit in der eigenen Entscheidung. Weniger Ausreden im Sinne von: Das habe ich ja nicht gewusst. Aber das bezieht sich auf einen selbst, was man alles nicht von sich gewusst hat. […] Das bedingungslose Grundeinkommen stellt einen nur frei. Es sagt nicht, wie ich es machen muss. Damit ist es meine Verantwortung, nicht die Schuld anderer und nicht, dass man ja nicht anders kann.

[…]
Ein Heilsversprechen kann ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht sein. Es verspricht nichts. Es nimmt nur das Recht auf Leben demokratisch wirtschaftlich ernst. Das Recht auf das Leben, das jeder hat. Und das wir uns gegenseitig ermöglichen. Es legt die Zukunftsoffenheit des Lebens mehr in die Hand jedes Einzelnen.

[…]
Es gibt keinen zwingenden Grund für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Man kann alles auch auf andere Weise weiterführen und Einzellösungen finden für einzelne Probleme. Was mit einem bedingungslosen Grundeinkommen auch nötig ist.

[…]
Es gab übrigens auch keinen zwingenden Grund für die Einführung der Demokratie, die Abschaffung der Sklaverei, das Erkennen des Menschenrechts. Es gab gegen alles genau die gleichen Gründe wie jetzt gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Der Blick in die Zukunft ist mehr oder minder spekulativ. Der Blick in die Vergangenheit zeigt die Realität des bedingungslosen Grundeinkommens sofort als Vorgang.

[…]
Dass eine Arbeitsstelle mit Bezahlung für viele auch eine Form der Wertschätzung ausdrückt und das Selbstgefühl gibt, etwas zu schaffen und geschafft zu haben, das nimmt das Grundeinkommen niemanden weg. Es erlaubt und ermöglicht nur viel mehr.

Enno Schmidt

Advertisements