Unser Hauptproblem …

… ist, dass wir ein so unvorstellbar grausliches Bild von uns selber haben: Die Menschen sind faul, Kinder kommen leer auf die Welt, ohne Zwang und Druck geht gar nichts… der Ansatzpunkt liegt für mich in diesem schrecklichen Menschenbild, das immer das Schlechteste annimmt. Wir leben ja in einem unglaublichen Paradoxon: Einerseits haben wir sehr hochstehende Werte, auch in der christlichen Soziallehre. Der Papst ist ja fast schon der einzig Linke auf dem Planeten. Andererseits sollen wir aber konsumieren bis zum Umfallen, damit die Wirtschaft funktioniert, die anderen übers Ohr hauen, Niederhauen, damit wir schneller und besser sind. Wir sollen liebevoll und empathisch sein – aber die Konkurrenten ausstechen. Dieser Gap ist zu groß geworden in den vergangenen 30 Jahren. Wir sind eine so entsolidarisierte Gesellschaft geworden. Das will niemand, dass der andere tot vor einem liegt. Besser werden ist gut – aber in welchem Sinn und wofür? Doch nicht gegen jemanden

Erwin Wagenhofer

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