Piketty, Bofinger und der Spiegel

Bofinger behauptet, Piketty würde behaupten […] die Marktwirtschaft würde […] immer die Ungleichheit erhöhen. Das aber, so Bofinger, würde durch Pikettys eigene Daten widerlegt – denn wie die rot-gestrichelte Linie in der oben dargestellten Abbildung zeigt, lag die Kapitalertragsrate doch im ganzen 20. Jahrhundert unterhalb der Wachstumsrate! Piketty müsse also laut Bofinger “schlaflose Nächte” haben, weil seine Theorie nicht zu seinen eigenen Daten passen würde. So rettet Bofinger den Kapitalismus, weil sich die Marktwirtschaft trotz geringer Renditen im 20. Jahrhundert prächtig entwickelt habe.

[…] der ganze Witz an Pikettys Argument: Vor Steuern hat sich die Kapitalrendite im 20. Jahrhundert kaum von derjenigen vorheriger Jahrhunderte unterschieden (siehe die blaue Linie in der obigen Abbildung), nach Steuern aber gewaltig!

In der Abbildung, die im Spiegel zum Bofinger-Interview zu sehen ist, ist die Vorsteuerrendite gar nicht abgebildet. Der Spiegel zeigt nur die Rendite nach Steuern, erwähnt das aber gar nicht, sondern beschriftet die Nachsteuerrendite nur unqualifiziert als “Kapitalrendite”. Hier suggerieren Spiegel und Bofinger, die geringe Rendite im 20. Jahrhundert sei ein Marktergebnis gewesen. Piketty verwendet aber mehrere hundert Seiten darauf, genau zu erklären, dass die geringe Rendite im 20. Jahrhundert eben kein Marktergebnis, sondern das Ergebnis bewussten politischen Handelns war, nämlich der hohen Besteuerung.

Quelle: blog.zeit.de/herdentrieb

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