Sicherheitsesoterik

Sascha Lobo hat einen schönen Begriff dafür gefunden, wie die Regierungsparteien mit dem Sicherheitsapparat umgehen: Sicherheitsesoterik.

Der fasst schön zusammen, wie in der „Sicherheit“ die wissenschaftliche Methode und Erkenntnisse der Aufklärung komplett ignoriert und durch typische Merkmale der Esoterik ersetzt werden.
Die offenkundigen Parallelen zum Beispiel zwischen der Vorratsdatenspeicherung und Horoskopen sind erschreckend:

  • Einzelne Geschehnisse dienen als Rechtfertigung.
  • Unabhängige Studien zur Nichtwirksamkeit werden ignoriert.
  • Die Diskussion um Details ersetzt die Diskussion um den Sinn.
  • Wie zur Beschwörung wird die Notwendigkeit ständig wiederholt.
  • Tautologische Begründungsschleifen werden verwendet.
  • Künstliche Zusammenhänge werden konstruiert.
  • Kritiker werden diffamiert.

Er hat völlig Recht. Die „Argumente“ für die Vorratsdatenspeicherung erinnern an Horoskope, Tarotkarten, Wünschelruten und Bachblüten. Schlimmer noch (und der Aspekt kommt mir zu kurz bei Lobo): Wenn man Beweise fordert, bügeln die Bedarfsträger das mit Geheimhaltung ab.

Wir sind als Gesellschaft an einem Punkt angekommen, bei dem ich die potentiellen Schäden durch komplettes Beenden der Geheimhaltung für kleiner halte als die tatsächlichen Schäden durch Weitermachen damit.

Quelle: blog.fefe.de

Sascha Lobo weiter:

Sieht man von taktischen und lobbygeborenen Argumenten ab, speist sich der politische Wunsch nach mehr Überwachung aus zwei Quellen:
1. aus der Hoffnung, mehr Überwachung ergäbe mehr Sicherheit;
2. aus der Gewissheit, dass mehr Überwachung mehr Bürgerkontrolle bedeutet.

[…]
Wenn sich irgendetwas aus der Enthüllung des radikalsten Spähmonsters der Geschichte lernen lässt, ist es, dass Überwachungsapparate selbstverstärkende Systeme sind, die bis tief in die Verfassungsfeindlichkeit vor sich hin eskalieren. Deshalb wirken Selbstevaluationen so, als würde man einen Wunderheiler bitten, die Wirksamkeit seiner Bachblüten zu bewerten.

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